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Cyber-Attacken : Die Hacker des Kremls

Interessant ist aber, dass die Hacker von „Fancy Bear“ ganz anders arbeiten als die zweite Hackergruppe, die laut amerikanischen Geheimdiensten vom Kreml gesteuert wird, genannt „Cozy Bear“ (das Wort „coz“ stammt wieder aus dem Schadcode der Angreifer) oder „APT 29“. Auch „Cozy Bear“ hackte sich in das Netzwerk der Demokratischen Partei, und zwar schon im Sommer 2015, fast ein Jahr vor „Fancy Bear“. Unklar ist, ob beide Angreifer voneinander wussten. Den Demokraten fiel jedenfalls erst nach der zweiten Attacke auf, dass ihre Server gehackt wurden.

„Cozy Bear“ benutzt weder „Zero Day Exploits“ noch andere teure Techniken. Dafür handelt die Gruppe schneller und virtuoser als „Fancy Bear“, kann sofort auf veränderte Bedingungen reagieren und ihre Methoden anpassen. „Fancy Bear“ dagegen braucht offensichtlich mehr Zeit, um Entscheidungen zu treffen. Ein Forscher der russischen Antivirus-Firma Kaspersky, der seit Jahren staatliche Hackerangriffe untersucht, vertritt deshalb die These, dass „Fancy Bear“ sich verhalte wie eine Gruppe staatlicher Akteure, „Cozy Bear“ aber nicht: Sie könnten Auftragshacker sein, die keine bürokratischen Prozesse durchmachen müssten und deshalb schneller handeln könnten.

Arbeitete Kaspersky mit Russland zusammen?

Das Gespräch mit den Leuten von Kaspersky ist noch an einer anderen Stelle interessant – da geht es um die Zusammenarbeit des Unternehmens mit dem russischen Staat, genauer mit dem FSB. Ein entrüsteter Pressesprecher schaltet sich ein, die Frage wird offenbar als Affront empfunden: Kaspersky arbeite schließlich überall auf der Welt mit Regierungen zusammen, um bei der Bekämpfung von Cyberkriminalität zu helfen.

Es ist bloß so, dass im Dezember nicht nur FSB-Beamte wegen des Verdachts auf Verrat von Staatsgeheimnissen festgenommenen wurden, sondern auch ein Mitarbeiter von Kaspersky. Er leitete dort die Abteilung für Cyberkriminalität; ob und inwiefern er mit dem FSB zusammenarbeitete, ist unbekannt. Die Firma betont, die Vorwürfe bezögen sich auf eine Zeit, in der er noch nicht bei ihnen unter Vertrag war. Aber klar ist doch, dass es eine enge Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden gibt, über die nicht gerne gesprochen wird.

Überhaupt scheinen die Verbindungen des Kremls in die Hackerszene noch weiter zu gehen, als es sich selbst Hacker bisher vorstellen konnten. Ebenfalls im Januar wurde bekannt, dass schon im Herbst drei Männer verhaftet wurden, die Mitglieder der bekannten Hackergruppe „Schaltaj-Boltaj“ sein sollen. Die Gruppe nannte sich auch „Anonyme Internationale“ und war eine Zeitlang der Liebling der regimekritischen russischen Mittelschicht. „Schaltaj-Boltaj“ veröffentlichte vorab Putins Neujahrsansprache, außerdem Briefwechsel und Dokumente wichtiger Kreml-Beamter, darunter Informationen über die berühmte Kreml-Troll-Fabrik in Sankt Petersburg. Im August 2014 ließen die Hacker Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew über Twitter seinen Rücktritt verkünden: „Ich schäme mich für die Handlungen der Regierung. Entschuldigt.“ Nun steht der Verdacht im Raum, dass der FSB die Hacker von „Schaltaj-Boltaj“ eine Zeitlang gedeckt haben soll, um sie für seine Zwecke einzusetzen. Im Gegenzug habe der FSB ihnen „Sicherheit“ versprochen - so sagte es neulich das nach eigenen Angaben einzige Mitglied von „Schaltaj Boltaj“, das noch nicht verhaftet wurde, in einem Fernsehinterview in Estland. Dort will der Mann nun Asyl beantragen. Ein Hacker möchte übrigens auch er nicht gewesen sein.

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