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Cyber-Attacken : Die Hacker des Kremls

Russland umwirbt Computerfachleute mit allen Mitteln

Viele von ihnen zieht es nach Asien, wo es warm und billig ist, wo inzwischen auch große Hackerkonferenzen stattfinden und wo man in Frieden leben kann, selbst wenn man nicht für den Kreml arbeiten will. Im Ausland sei es einfacher, Angeboten des russischen Staates zur Zusammenarbeit zu entgehen, schreibt einer, trotz des „Hungers der Sicherheitsbehörden nach IT-Experten“.

Russland fehlt es an solchen Fachleuten. Viele gute gehen weg - nicht nur als Freelancer nach Asien, sondern auch nach Amerika oder Westeuropa, zu Facebook oder Google. Wer bleibt, wird umso heftiger umworben, von IT-Unternehmen, aber auch vom Staat. Selten geschieht das so öffentlich wie im vergangenen Jahr, als die Telekommunikationsaufsichtsbehörde Roskomnadsor im Internet eine Stelle für einen Hacker ausschrieb, unter anderem für die „Suche nach verstecktem Material auf unbeteiligten Computern und Netzwerken“. Dann stand da noch: „Arbeitserfahrung als black hat wird begrüßt.“

Auch das Militär baut seit einiger Zeit seine Cyberstreitkräfte aus. Informationen darüber gibt es allerdings nur in Schnipseln, etwa diese Nachricht aus dem Juli 2013: „Verteidigungsminister Schojgu erklärt bei einem Treffen mit Universitätsrektoren die große Jagd auf junge Programmierer für eröffnet.“ Oder den in sozialen Netzwerken versteckten Werbefilm für die neuen russischen Cyber-Kaderschmieden: Ein Roboter tauscht seine Kalaschnikow gegen eine Tastatur, bevor Heavy Metal und Kasernenfotos mit Zweibettzimmern und Turnhalle für „angenehme Lebensbedingungen“ werben. Wie viele dieser Kaderschmieden es gibt, wie viele Rekruten dort leben, das ist nicht bekannt.

Viele russische Hacker kommen direkt aus dem Gefängnis

Andere Staaten gehen unbefangener mit ihrer Suche nach Hackern um. Die Bundeswehr wirbt mit Plakaten an Bushaltestellen für ihr „Projekt digitale Kräfte“, und der damalige Direktor des amerikanischen Geheimdienstes NSA trat 2012 in schwarzem T-Shirt auf einem Hackerkongress auf und schmeichelte den „Talenten in diesem Raum“: Das Land brauche sie, um das Internet sicherer zu machen.

Dem russischen Geheimdienst FSB würden solche Auftritte vermutlich wenig nützen, unter Hackern gilt die Bezahlung in Staatsdiensten bis auf wenige Ausnahmen als miserabel. Eine normale Stelle, heißt es, bringe maximal 2400 Euro im Monat. Gute Hacker können darüber nur lachen. Und so nutzen die Geheimdienste ihre eigenen Methoden der Anwerbung. Dazu gehören Erpressung, Strafandrohung oder Schutzversprechen vor der Polizei.

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