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Russland : Pussy-Riot-Sängerinnen in Arbeitslager gebracht

  • Aktualisiert am

Die beiden jungen Mütter Maria Alechina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa (rechts) wurden jeweils zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt. Bild: AFP

Die zu Haftstrafen verurteilten Sängerinnen der russischen Punkband „Pussy Riot“ sind in Arbeitslager gebracht worden. Wo genau sie inhaftiert werden, blieb unklar. Die Angehörigen wurden nicht vorab informiert.

          Die zwei verurteilten Sängerinnen der russischen Punkband „Pussy Riot“ sind ohne Wissen ihrer Angehörigen in ein Arbeitslager gebracht worden. Beide Frauen seien bereits am Samstag aus der Haftanstalt in Moskau weggeschafft worden, am Montag waren sie noch unterwegs in den Ural, sagte ihre Anwältin am Montag. Wo genau sie inhaftiert werden, blieb unklar.

          Nadeschda Tolokonnikowa sei in ein Lager in der Region Mordowia etwa 640 Kilometer östlich von Moskau gebracht worden, sagte die Anwältin. Ihre Bandkollegin Maria Alechina werde in der etwa 1400 Kilometer entfernten Region Perm interniert. Die Angehörigen der Frauen wussten erst von deren Verlegung, als sie ihnen Pakete in das Gefängnis in Moskau bringen wollten, in dem sie zuletzt inhaftiert waren.

          Pussy-Riot-Unterstützer sprechen von „Höllenlager“

          Unterstützer von Pussy Riot sprachen im Kurzmitteilungsdienst Twitter von den „schlimmstmöglichen Camps“, die für die Frauen ausgesucht worden seien. Die 22 Jahre alte Tolokonnikowa hat eine vier Jahre alte Tochter, die 24 Jahre alte Alechina einen fünf Jahre alten Sohn. Ihre Bitte um einen Aufschub ihrer Strafe, bis ihre Kinder älter sind, wurde abgewiesen.

          Russlands Arbeitslager sind für ihre harten Bedingungen bekannt. Die mit „Pussy Riot“ eng verbundene Künstlergruppe „Woina“ (Krieg) bezeichnete Mordowia auf Twitter als „Höllenlager“. Bereits unter Diktator Stalin gab es dort in den 1930er und 1940er Jahren Arbeitslager. Im Winter können die Temperaturen im Ural auf bis zu minus 50 Grad Celsius sinken.

          Bundesregierung verteidigt Russland-Beauftragten Andreas Schockenhoff (CDU).

          Derweil hat sich die Bundesregierung hinter ihren Russland-Beauftragten Andreas Schockenhoff (CDU) gestellt und Vorwürfe aus Moskau ungewöhnlich deutlich zurückgewiesen. Moskau hatte Schockenhoff nach Kritik an der Justiz des Landes als Russland-Beauftragten abgelehnt und erklärt, der CDU-Politiker habe sich mehrfach verleumderisch geäußert. Dies lasse an seiner Kompetenz zweifeln. „Diese Unterstellungen sind natürlich zurückzuweisen. Nicht jedes offene Wort, nicht jede sachliche Kritik ist Verleumdung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

          Seibert betonte, Schockenhoff spreche für die Bundesregierung. „Beauftragte der Bundesregierung werden durch diese selbst berufen und nicht durch Stellen im Ausland.“ Es habe Äußerungen aus dem russischen Außenministerium gegeben, „die bei uns für Verwunderung gesorgt haben. Und diese Verwunderung hat die Bundesregierung ihrerseits dem russischen Außenministerium übermittelt.“

          Ein Sprecher des russischen Außenministeriums hatte in der vergangenen Woche gesagt, Moskau betrachte Schockenhoff nicht als offiziellen Vertreter, der sich im Namen der Bundesregierung zu deutsch-russischen Beziehungen äußern dürfe. Schockenhoff ist seit dem Jahr 2006 Koordinator des Auswärtigen Amtes für die deutsch-russische Zusammenarbeit. Er hatte zuletzt immer wieder etwa das Vorgehen der russischen Justiz gegen die kremlkritische Punkband Pussy Riot oder Regierungsgegner kritisiert.

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