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Großmanöver „Sapad“ : Putins Armee steht an der Grenze

Er ordnet Manöver mitunter persönlich an: Präsident Wladimir Putin, aufgenommen am 18. Juli 2017 auf der russischen Luftfahrtmesse MAKS Bild: SPUTNIK/KREM/REX/Shutterstock

Voller Sorge verfolgen die baltischen Nato-Staaten den Auftakt des russischen Herbstmanövers. In Moskau zeigt man mit dem Finger zurück auf die Allianz. Mit nur einem kurzen Befehl könnte Putin den Westen überraschen.

          Der Kreml könnte den Auftakt seines gigantischen Herbstmanövers an diesem Donnerstag für eine gewaltige Überraschung nutzen. Präsident Wladimir Putin könnte einen Befehl an die Tausenden Soldaten geben, die rund ums Baltikum auf den Startschuss des Herbstmanövers „Sapad“ warten. Er müsste umgesetzt werden an Bord der Kriegsschiffe in der Ostsee, an Bord der Panzer in Weißrussland und der Kampfflugzeuge im westlichen Militärdistrikt. Der Befehl, er müsste „Stopp“ heißen.

          Wladimir Putin könnte das Großmanöver, über das seit Monaten voller Sorge im Westen gesprochen wird, einfach abblasen. Sollte Russlands Präsident fürchten, dass ein solcher Schritt zu gefährlicher Frustration in seinem Generalstab führt, gäbe es auch eine elegantere Variante. Putin könnte seine Truppen das Manöver durchführen und noch einmal ihre militärische Stärke demonstrieren lassen. Er könnte vor die Weltgemeinschaft treten und sagen: „Seht her, Russland kann es mit jedem Gegner aufnehmen! Darum setzen wir nun ein Zeichen der Entspannung.“ Als Geste des guten Willens könnte der Präsident verkünden, dass Russland ab sofort auf seine Herbstmanöver verzichtet. Alternativ könnte er auch in Aussicht stellen, dass sein Land die Zahl seiner Truppen an der Grenze zur Nato reduziert oder seine Militärübungen ein gutes Stück verringert. Schließlich üben die russischen Streitkräfte deutlich häufiger als die Nato-Truppen in Europa. Oder aber, er könnte sie weiter üben lassen, dafür aber seine Truppen keine weiteren Kampfbereitschaftsinspektionen mehr vornehmen. Bislang wird Teilen der russischen Streitkräfte hundertfach pro Jahr befohlen, sich im Rahmen dieser „snap drills“ blitzschnell kriegsbereit zu machen.

          Die Russland-Skeptiker im Westen würden vermutlich skeptisch bleiben, was der Kreml mit solch einem Schritt bezwecken will. Doch spätestens, wenn die Soldaten häufiger in ihren Kasernen blieben, würde das Gros der Bündnisstaaten wohl reagieren und mit einer vergleichbaren Geste guten Willens an der Nato-Ostflanke reagieren. Putin könnte so eine Abrüstungsspirale in Gang setzen, von der am Ende beide Seiten sicherheitspolitisch wie ökonomisch profitierten und die das Ansehen Russlands (und seines Präsidenten) international immens steigern würde. Soweit die Theorie.

          Eines der komplexesten Manöver des Jahres

          De facto wird am Donnerstag wohl Russland gemeinsam mit seinem weißrussischen Verbündeten das komplexeste Manöver des Jahres abhalten. Eine Woche lang wird bei „Sapad“ („Westen“) eine gewaltige Streitmacht zu Lande, zu Wasser und in der Luft ihr Können demonstrieren, in unmittelbarer Nähe zur Nato-Ostflanke. Die russischen Streitkräfte geben die Zahl aller teilnehmenden Soldaten mit 12.700 an. Hinzu kommen rund 250 Panzer, 200 Geschütze, zehn Kriegsschiffe sowie eine nicht näher bekannte Zahl an Truppen des Innenministeriums, der Nationalgarde, des Inlandsgeheimdienstes FSB und des Katastrophenschutzes. Das Szenario für diese Armada sieht vor, Separatisten zurückzuschlagen, die Teile eines fiktiven Landes in Besitz genommen haben, unterstützt von zwei fiktiven Nachbarländern. Der Zweck des Manövers, werden russische Vertreter in Moskau nicht müde zu betonen, sei ein defensiver, auch wenn westliche Medien das anders darstellten.

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