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Russland : Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa gestorben

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Ljudmila Alexejewa wurde 91 Jahre alt. Bild: dpa

Sie scheute weder die Konfrontation noch Kritik am Kreml. Ljudmila Alexejewa galt als die Grande Dame der Menschenrechtsbewegung. Bis kurz vor ihrem Tod setzte sich die einstige sowjetische Dissidentin für inhaftierte Aktivisten ein.

          Die renommierte russische Menschenrechtlerin und Kremlkritikerin Ljudmila Alexejewa ist tot. Sie sei nach schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren in Moskau gestorben, teilte der Menschenrechtsrat des russischen Präsidenten am Samstagabend mit. „Das ist ein schrecklicher Verlust für die gesamte russische Menschenrechtsbewegung“, sagte der Vorsitzende des Rates, Michail Fedotow, der Mitteilung zufolge.

          Alexejewa war eine der bekanntesten Bürgerrechtlerinnen Russlands. Sie galt als Grande Dame der Menschenrechtsbewegung in ihrer Heimat. Sie war international und auch in Russland hoch angesehen. Zu ihrem 90. Geburtstag hatte ihr Kremlchef Wladimir Putin persönlich gratuliert und sie in ihrer Moskauer Wohnung besucht.

          Gemeinsam mit dem Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow gründete sie 1976 die Moskauer Helsinki-Gruppe, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzte. Dafür musste sie ins Exil.

          Seit 2004 war sie mit Unterbrechung Mitglied im Menschenrechtsrat. Die Aktivistin kritisierte offen die zunehmenden Repressionen gegen die russische Opposition. Immer wieder schaltete sie sich wortstark in Diskussionen ein und scheute auch nicht davor zurück, die Politik des Kremls zu kritisieren. Vor einigen Jahren war sie bei einer Demonstration festgenommen worden.

          „Der Präsident schätzt ihren Beitrag für die Entwicklung der Zivilgesellschaft sehr“

          Präsident Wladimir Putin würdigte nach Angaben seines Sprechers die Arbeit der Aktivistin. „Der Präsident schätzt den Beitrag von Ljudmila Alexejewa für die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Russland sehr“, sagte Putins Vertrauter, Dmitri Peskow. Er habe ihre Positionen in vielen Fragen des Landes hoch respektiert. Das russische Innenministerium teilte mit, dass Alexejewa als Beispiel für Barmherzigkeit, Weisheit und grenzenloser Hingabe in Erinnerung bleiben werde.

          Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjørn Jagland, nannte Alexejewa eine persönliche Freundin. „Sie war ihr ganzes Leben lang ein Beispiel für Mut, große Verantwortung und noble Treue gegenüber ihrem Land und den Menschen“, sagte er einer Mitteilung zufolge.

          Bis kurz vor ihrem Tod hatte sie sich für den Aktivisten Lew Ponomarjow eingesetzt, der wegen Aufrufs zu nicht genehmigten Protesten zu einer Arreststrafe verurteilt wurde. Sie habe mit ihrer Assistentin noch kurz vor ihrem Tod darüber gesprochen, wie man anderen Menschen helfen könne, hieß es. „Sie blieb eine Menschenrechtsaktivisten bis zuletzt“, schrieb Fedotow. Sie habe dieser Arbeit ihr Leben gewidmet.

          „Eine Ära geht zu Ende“, sagte Waleri Borschjow von der Moskauer Helsinki-Gruppe der Agentur Interfax. Alexejewa sei ihren Werten und Traditionen stets treu geblieben. „Sie hat die Menschenrechtsbewegung der Sowjetzeit fortgesetzt.“ Die Gruppe werde ihre Arbeit weiterführen.

          Alexejewas Tod sei ein trauriges Ereignis für ganz Russland, betonte die russische Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa. „Sie war und bleibt eine Symbolfigur für Ehrlichkeit und den kompromisslosen Kampf für die Menschen und die Gerechtigkeit“, sagte die Politikerin. Ex-Finanzminister Alexej Kudrin schrieb auf Twitter: „Ljudmila Alexejewa war ein wunderbarer Mensch, ein echtes Vorbild.“

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