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Nach Nervengas-Attacke : Russland kündigt Vergeltung für britische Strafmaßnahmen an

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„Ein klarer Bruch internationaler Regeln und Vereinbarungen“

Auch in der Erklärung aller 29 Nato-Mitglieder hieß es am Mittwoch, der „Angriff“ sei „ein klarer Bruch internationaler Regeln und Vereinbarungen“. Die Verbündeten erklärten Großbritannien ihre Solidarität und boten „ihre Unterstützung bei der Durchführung der laufenden Untersuchung“ zu dem Fall an. Ähnlich hatte sich zuvor schon EU-Ratspräsident Donald Tusk geäußert. Die Mitglieder der Nato forderten Russland zudem auf, alle Fragen Großbritanniens zum Giftanschlag auf den ehemaligen Spion Skripal zu beantworten.

Kanzlerin Merkel mahnte Moskau in dem Fall ebenfalls zu Transparenz. Dennoch könnten nicht alle Kontakte zu Russland abgebrochen werden, „denn man muss ja auch mit den russischen Verantwortlichen immer wieder sprechen, trotz aller Meinungsverschiedenheiten“, sagte Merkel am Mittwoch nach ihrer vierten Vereidigung als Kanzlerin in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“, die am Abend ausgestrahlt werden soll. Das Thema werde auch den EU-Gipfel in der kommenden Woche beschäftigen, kündigte Merkel an.

May hatte Moskau am Montagabend aufgefordert, sich bis Mittwochmorgen (1.00 MEZ) gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu erklären. Ansonsten drohten Konsequenzen, sagte May, führte diese aber nicht näher aus. Moskau ließ das Ultimatum aber verstreichen und erhob seinerseits Vorwürfe gegen Großbritannien. Außenminister Sergej Lawrow verlangte Zugang zu den in Großbritannien sichergestellten Nervengift-Proben und beschuldigte London, entsprechende Anfragen aus Moskau abgelehnt zu haben.

Moskau nennt Anschuldigungen „unbegründet“

Die britischen Sanktionen verurteilte die russische Botschaft in London als „feindlich, inakzeptabel. ungerechtfertigt und kurzsichtig“. Die Verantwortung für die Verschlechterung der beiderseitigen Beziehungen trage allein London.

Vor Mays Rede im Unterhaus hatte Putins Sprecher Dmitri Peskow von „unbegründeten Anschuldigungen, die nicht auf Beweisen beruhen“, gesprochen. Die russische Regierung habe „nichts mit dem Unfall in Großbritannien zu tun“. Die russische Regierung hoffe, „dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt“ und die Nato-Partner Großbritanniens Vorwürfe hinterfragten.

EU-Ratspräsident Donald Tusk stellte sich am Mittwoch hinter Großbritannien und wies Russland die Verantwortung für die Tat zu. „Ich drücke meine volle Solidarität mit Premierministerin Theresa May aus hinsichtlich des brutalen Angriffs, der, höchstwahrscheinlich, von Moskau inspiriert wurde“, schrieb Tusk während eines Besuchs in der finnischen Hauptstadt Helsinki im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Neben der EU stehen auch die Vereinigten Staaten und die Nato in der Auseinandersetzung hinter Großbritannien. Die Beziehungen der Europäischen Union zu Russland waren bereits vor der Skripal-Affäre angespannt. Wegen Moskaus Rolle im Konflikt in der Ostukraine hatte die EU Sanktionen gegen russische Einzelpersonen und Einrichtungen verhängt, die am Montag abermals um ein halbes Jahr verlängert wurden.

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