https://www.faz.net/-gpf-9suq5

Neues Gesetz : In Russland wird das Internet ab jetzt vom Staat kontrolliert

  • Aktualisiert am

Die Moskwa und der Kreml in Moskau Bild: Picture-Alliance

Durch eigens aufgebaute Knotenpunkte hat der Kreml das Netz im eigenen Land bald so gut wie komplett unter Kontrolle. Die Regierung will Angriffe von außen abwehren. Doch die Kritik ist groß.

          1 Min.

          In Russland ist das umstrittene Gesetz für ein eigenständiges Internet unter kompletter Staatskontrolle in Kraft getreten. Die Atom- und Rohstoffmacht erklärt, man wolle sich mit einer eigenen Infrastruktur für ein souveränes Netz gegen mögliche Cyberangriffe aus dem Ausland wappnen. Präsident Wladimir Putin hatte das Gesetz im Mai unterzeichnet.

          „Damit übernimmt der Staat erstmals die volle technische Kontrolle über das Internet“, sagte der russische Internetexperte Alexander Isawnin von der unabhängigen Organisation Roskomswoboda (Für die Freiheit des Netzes) der Deutschen Presse-Agentur. Das Gesetz sieht auch eine umfangreiche Vorratsdatenspeicherung vor.

          Bisher hätten die Provider unter freien Marktbedingungen arbeiten können, sagte Isawnin. Nun übe der russische Staat direkten Einfluss aus. Demnach soll der russische Internetverkehr künftig über Knotenpunkte im eigenen Land gelenkt werden. Die Infrastruktur dafür muss erst noch aufgebaut werden. Provider müssen sich dafür Geräte anschaffen. Noch sind viele technische Fragen ungeklärt.

          „Neue Stufe der Zensur“

          Kritiker sehen das Gesetz als einen Vorwand für eine Ausweitung der politischen Kontrolle in Russland. Die Organisation Reporter ohne Grenzen beklagte, damit werde die Internetzensur in Russland auf eine neue Stufe gehoben. Das Gesetz verstoße gegen Menschenrechte wie Meinungsfreiheit und ungehinderten Zugang zu Informationen. Schon jetzt sind in Russland viele Internetseiten – etwa von der Opposition – blockiert.

          Viele Russen befürchten, dass ihr Land digital isoliert und die Überwachung durch Geheimdienste verstärkt wird. Tausende Menschen hatten gegen das Gesetz demonstriert.

          Die russische Führung weist die Bedenken der Kritiker zurück. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte, es sei nicht geplant, Russland vom Internet abzukoppeln. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass der Westen Russland vom Netz abklemme. Deshalb brauche das Land eine unabhängige digitale Infrastruktur für ein autonomes Internet. Putin verteidigte das Projekt als notwendig für die nationale Sicherheit.

          Weitere Themen

          „Keine Steuererhöhungen mit der FDP“ Video-Seite öffnen

          Lindner : „Keine Steuererhöhungen mit der FDP“

          FDP-Chef Christian Lindnder hat im Falle einer Regierungsbeteiligung seiner Partei Steuererhöhungen ausgeschlossen. Das werde es mit der FDP nicht geben, sagte er auf dem Digital-Parteitag der Liberalen.

          Die Verführung des Wählers

          FAZ Plus Artikel: Desinformation im Netz : Die Verführung des Wählers

          Falschmeldungen und Propaganda breiten sich in Windeseile im Netz aus. Auch Annalena Baerbock war zuletzt Ziel einer Verleumdungskampagne. Vor der Bundestagswahl ist das besonders gefährlich. Wie gut ist Deutschland für diese Angriffe gerüstet?

          Topmeldungen

          Traum oder Alptraum: das Eigenheim

          Die fünf größten Fehler : Wenn der Hausbau zum Fiasko wird

          Auf dem Weg in die eigenen vier Wände lauern zahlreiche Gefahren. Welche die fünf häufigsten Fehler sind, die beim Hausbau passieren – und wie sie sich vermeiden lassen.
          Schnitt des Unheils: Ein Gärtner am 11. August 2017 im Rosengarten vor dem Weißen Haus.

          Rosengarten vor Oval Office : Gebrochenes Versprechen

          Wenn Gartengestaltung zum Politikum wird: Eine Petition in den Vereinigten Staaten fordert, die Umgestaltung des Rosengartens vor dem Oval Office durch Melania Trump rückgängig zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.