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Russische Schwierigkeiten : Russland kann sich gegen HIMARS-Raketen nur schwer verteidigen

Bei einem ukrainischen Gegenangriff schwer beschädigt: die Antoniwka-Brücke bei Cherson Bild: AFP

Die an die Ukraine gelieferten HIMARS-Mehrfachraketenwerfer setzen den russischen Invasoren zu. Bei Cherson versuchen sie deshalb, eine Brücke mit Radarreflektoren zu schützen.

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          Russland tut sich offenbar mit der Bewegung und Versorgung seiner Invasionstruppen in der Südukraine schwer. Neben Brücken haben die ukrainischen Raketenangriffe laut einem Bericht des britischen Geheimdienstes auch Waffendepots und wichtige Knotenpunkte getroffen. Das russische Militär habe Radarreflektoren im Fluss Dnipro aufgestellt, um die durch ukrainische Angriffe bereits schwer beschädigte Antoniwka-Brücke wenige Kilometer östlich der Großstadt Cherson zu schützen. So werde die Brücke vor Überwachungstechnik verborgen und vor weiteren Angriffen geschützt. Zuletzt verbreiteten russische Medien Videos von Fähren, mit denen Zivilisten den Fluss seit der Sperrung der Brücke überqueren.

          Robert Putzbach
          Redakteur in der Politik
          Niklas Zimmermann
          Redakteur in der Politik.

          Die russische Armee hat unterdessen ihre Angriffe in mehreren Landesteilen der Ukraine fortgesetzt. In den Regionen Donezk, Mykolajiw, Charkiw und Dnipro gab es abermals heftigen Beschuss und teilweise zivile Todesopfer. Der ukrainische Generalstab sprach von erheblichen russischen Angriffen mit Panzern und Raketenartillerie.

          Angriff auf Selenskyjs Heimatstadt?

          Der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch vermutet hinter den Angriffen auch ein taktisches Ablenkungsmanöver. „Es geht darum, uns in den nächsten Wochen in Charkiw, Donezk und Luhansk militärisch unter Druck zu setzen“, sagte er in einem Interview, das auf Youtube veröffentlicht wurde. Was im Osten passiere, sei aber nicht ausschlaggebend für den Ausgang des Krieges. Der Sinn der russischen Offensive im Osten sei es, die Ukraine zu zwingen, Truppen aus dem Gebiet abzuziehen, das wirklich eine Gefahr darstelle: Dies sei Saporischschja im Süden des Landes.

          Kiew hatte zuletzt erklärt, Russland bereite eine neue Offensive im Süden des Landes vor. Dazu soll auch der Aufbau einer Truppe für einen Angriff auf Krywyj Rih gehören. Die von der Ukraine kontrollierte Stadt ist die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und für ihre Stahlproduktion bekannt. Sie liegt rund 50 Kilometer von der südlichen Frontlinie entfernt.

          Vor allem die von den Vereinigten Staaten an die Ukraine gelieferten HIMARS-Mehrfachraketenwerfer mit erhöhter Reichweite setzen den russischen Angreifern laut Beobachtern derzeit zu. Mit von diesem System gestarteten Raketen soll vor wenigen Tagen auch ein von der Krim her kommender Zug, der russische Truppen mitsamt Ausrüstung geladen hatte, getroffen worden sein. Bei dem Angriff in der Region Cherson sollen rund 80 russische Soldaten getötet und rund 200 Armeeangehörige verletzt worden sein. Auch wenn laut dem britischen Geheimdienst eine Reparatur in wenigen Tagen möglich sei, werde die Zugstrecke als Teil der russischen Versorgungsroute nach Cherson eine verwundbare Schwachstelle bleiben.

          Laut dem amerikanischen „Institute for the Study of War“ (ISW) spielen die HIMARS-Raketenwerfer auch in der russischen Anschuldigung, wonach Kiew hinter dem tödlichen Angriff auf ukrainische Kriegsgefangene im ostukrainischen Straflager Oleniwka steht, eine Rolle. Der Westen soll damit von weiteren Lieferungen von Raketensystemen mit erhöhter Reichweite abgehalten werden. Laut dem ISW präsentierte der ukrainische Militärgeheimdienst GUR einen Bericht, wonach die russische Söldnertruppe Wagner für den Tod von mindestens 50 ukrainischen Kriegsgefangenen verantwortlich sein soll.

          Wagner-Söldner haben demnach das Straflager vergangene Woche vorsätzlich in Brand gesteckt. Dies stimme mit den Schäden überein, die in einem von Russland bereitgestellten Video des Geländes zu sehen seien. Die Söldner hätten das Gebäude mit nicht näher bezeichneten brennbaren Substanzen „vermint“, was zu einer schnellen Ausbreitung des Feuers im gesamten Gebäude geführt habe.

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