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Diplomat in Russland : Im Verhör entwürdigt, dann des Landes verwiesen

Verteidigt seinen Diplomaten: Japans Außenminister Yoshimasa Hayashi Bild: AFP

Russlands Geheimdienst FSB führt einen japanischen Diplomaten vor und erklärt ihn zur unerwünschten Person. Die Regierung in Tokio kündigt Gegenmaßnahmen an.

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          Der Diplomat sitzt vor einer Kamera, senkt den Kopf, beteuert, dass er „verstanden“ habe, Gesetze verletzt und versucht habe, an geheime Informationen zu kommen: Diese entwürdigende Vorführung ist Teil des jüngsten russischen Nadelstichs gegen die Regierung in Tokio.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der Geheimdienst FSB teilte am Montagabend mit, im fernöstlichen Wladiwostok einen – namentlich be­nannten – Mitarbeiter des japanischen Generalkonsulats festgenommen zu ha­ben. Er sei „auf frischer Tat ertappt“ worden, wie er gegen Bezahlung „Informationen“ über die Zusammenarbeit Russlands mit „einem der Länder des Asien-Pazifik-Raums“ und den Einfluss westlicher Sanktionen auf die Wirtschaft der Region erhalten habe.

          Dazu veröffentlichte der FSB das Video, in dem man zuerst den Diplomaten in einem Restaurant sehen soll; sein Gegenüber ist unkenntlich gemacht, eine Übergabe sieht man nicht. Dann folgen die Bilder aus dem FSB-Verhör. Details blieben völlig unklar, etwa, wen der Japaner traf und ob noch jemand anderer – ein russischer Informant etwa – festgenommen wurde. Der Diplomat wurde noch am Abend zur unerwünschten Person erklärt, was seine Ausweisung aus Russland bedeutet, und Japan erhielt eine Protestnote.

          Russland stuft Japan als „unfreundliches“ Land ein

          Ihrerseits verlangte die japanische Regierung von Russland eine Bitte um Entschuldigung für den Vorfall und bestellte in Tokio den russischen Botschafter ein. Der Diplomat sei auf unglaubliche Weise behandelt worden, sagte ein Regierungssprecher. Ihm seien während der Festnahme die Augen verbunden worden. Zugleich sei Druck auf Arme und den Kopf ausgeübt worden, sodass der Diplomat sich nicht habe bewegen können.

          Japans Außenminister Yoshimasa Hayashi verurteilte den Vorfall als einen Verstoß gegen die Wiener Konvention über konsularische Beziehungen. Der Konsul habe nicht illegal gehandelt, sagte Hayashi vor Journalisten und forderte eine formale Bitte um Entschuldigung von Russland und Vorsorge, dass solche Vorfälle künftig nicht mehr passieren. Er kündigte auch japanische Gegenmaßnahmen an. Japan wird wie die anderen G-7-Staaten von Russland als „unfreundliches“ Land eingestuft. Beide Seiten haben im Ukrainekrieg wechselseitig Diplomaten ausgewiesen.

          Russland hat zudem die Verhandlungen über einen Friedensvertrag abgebrochen. Die Beziehungen sind aber komplizierter: Japan trägt die meisten westlichen Sank­tionen gegen Moskau mit, hält zur Sicherung der Energieversorgung zu­gleich aber an Kapitalbeteiligungen an Unternehmen der Gas- und Ölförderung auf der russischen Insel Sachalin fest.

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