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Rußland : Die Islamisten kämpfen global

Der Schatten des internationalen Terrorismus ist auf Beslan gefallen Bild: REUTERS

Unter den Geiselnehmern von Beslan waren offenbar nicht nur Tschetschenen. Der Kaukasus ist zu einem Schlachtfeld des internationalen Terrorismus geworden. „Das war eine ganze Internationale", sagt der Tschetschenien-Berater Präsident Putins.

          "Das war eine ganze Internationale", sagt Aslambek Aslachanow, der ehemalige Polizeigeneral und Tschetschenien-Berater Präsident Putins. Denn unter den Geiselnehmern von Beslan seien nicht nur Tschetschenen gewesen. Von den 26 Terroristen, die Hunderte Kinder in der Schule umbrachten, waren nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes FSB "neun Araber und ein Neger".

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          "Araber befehlen in Tschetschenien", sagt darum auch der Chef der FSB-Informationsabteilung in Moskau, Sergej Ignatschenko. Ein Mann wie Separatistenführer Aslan Maschadow sei nur der symbolische Kopf der Rebellen. Es seien die Araber, die entschieden, wann und wo große Anschläge unternommen würden. Achthundert "fanatische Islamisten" gibt es nach diesen Angaben in Tschetschenien und im Nordkaukasus - die Hälfte von ihnen seien Kämpfer aus dem Ausland. Bezahlt würden sie von islamistischen Organisationen aus dem Nahen Osten.

          Der Nordkaukasus - Rußlands schwächste Stelle

          Der internationale Dschihad hat sich Rußlands schwächste Stelle, den Nordkaukasus, als Angriffsziel ausgesucht. Wird Europas Sicherheit jetzt nicht mehr nur am Hindukusch verteidigt, sondern auch in Grosnyj, in Nasran, Machatschkala, Naltschik, Wladikawkas oder in Beslan? Oder ist das nur Propaganda einer Regierung, die von ihrem eigenen Versagen in Tschetschenien ablenken will? Ist der Kampf der Tschetschenen gegen die russische Oberhoheit nicht jahrhundertealt?

          Das stimmt zwar. Doch richtig ist auch, daß die islamistischen Truppen den Nordkaukasus längst erreicht haben. Eine Hauptfront ihres Kampfes liegt nur drei Flugstunden von Deutschland entfernt. Längst geht es nicht mehr nur um Tschetschenien. Davon zeugen die Überfälle auf Inguschetien, Dagestan und jetzt Nordossetien. Vielleicht kommen bald auch Karatschai-Tscherkessien, Karbadino-Balkarien oder Adygien dazu. Der Nordkaukasus ist ein Flickenteppich von Völkern, Sprachen und Religionen. Lange hatten die kaukasischen Muslime mit der fundamentalistischen Spielart der arabischen Länder wenig gemein. Ihr Islam speiste sich aus der mystischen Tradition des Sufismus. Doch nichts ist mehr so, wie es war.

          Keine Arbeit auf den Kolschosen - Dollars in den Moscheen

          Vielleicht kam der Dschihad zuerst nach Karamachi, einem kleinen Dorf in Dagestan. Dort traf Anfang der neunziger Jahre Chabib Aburrachman ein. Der jordanische Geistliche brachte eine geschlachtete Kuh mit und gab für die verarmten Dorfbewohner jede Woche ein Fest. Auf der Kolchose gab es schon keine Arbeit mehr, doch wer zu ihm in seine kleine hölzerne Moschee kam, erhielt jedesmal dreißig Dollar. Er und die anderen Araber, die ihm folgten, boten nicht nur Geld, sondern auch einen neuen Glauben. Bis zum Ende der neunziger Jahre hatte die wachsende Anhängerschaft des Jordaniers das Dorf zu einer bewaffneten, von Tunneln durchzogenen Festung gemacht: die Keimzelle für einen neuen islamischen Staat.

          Hatte man am Anfang noch freundlich geworben, so hieß es nun: Mach mit, oder wir schneiden dir den Kopf ab! So berichten die Einwohner des Dorfes. Die Extremisten hißten die grüne Flagge des Islams, vertrieben die 14 Polizisten aus dem Dorf und erklärten die russische Verfassung für ungültig. "Das Territorium steht unter dem Gesetz der Scharia", stand auf einem Schild an der Hauptstraße.

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