Russische Extremismusliste :
Moskau geht gegen deutsche Osteuropafachleute vor

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Die Geschichtsmythen des russischen Präsidenten Wladimir Putin werden von DGO-Fachleuten regelmäßig dekonstruiert.
Die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde ist ein Verbund von Wissenschaftlern und Fachleuten. Russland wirft ihr vor, gegen die territoriale Integrität des Landes zu arbeiten.

Das russische Justizministerium stuft die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO) als „extremistisch“ ein. Die Organisation ist ein Verbund von Fachleuten, die sich im deutschsprachigen Raum mit dem Osten Europas befassen, und wird zu einem bedeutenden Teil vom Auswärtigen Amt finanziert. Solange das noch möglich war, hat die DGO intensiv mit Wissenschaftlern in Russland kooperiert.

Sie sind nun in Gefahr, wegen dieser Verbindungen strafrechtlich verfolgt zu werden; für die Zusammenarbeit mit „extremistischen Organisationen“ können in Russland je nach Art der Mitwirkung Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verhängt werden. Warum die DGO für extremistisch erklärt wurde, ist unklar.

Sie wird vom russischen Justizministerium als Bestandteil einer aus mehr als fünfzig Organisationen bestehenden „antirussischen separatistischen Bewegung“ geführt, der vorgeworfen wird, sie wolle die „multinationale Einheit und territoriale Unverletzlichkeit“ Russlands zerstören.

Mit einer Ausnahme sind die anderen Mitglieder dieser in Wirklichkeit nicht existierenden Bewegung Organisationen ethnischer Minderheiten oder Bewegungen für mehr regionale Selbstbestimmung. Möglicherweise ist die DGO wegen eines Anfang dieses Jahres erschienenen Hefts der Zeitschrift „Osteuropa“ über nichtrussische Völker Russlands auf die Liste gekommen.