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Homophobie in Russland : Russen reißen nach Cook-Outing iPhone-Statue ab

Eine Screenshot aus einem Youtube-Video zeigt angeblich den Abriss des Denkmals für Steve Jobs Bild: Youtube/RT

Ein russisches Unternehmen sieht im Outing von Apple-Chef Tim Cook eine öffentliche Aufforderung zur Sodomie - und rechtfertigt damit den Abriss eines Denkmals für seinen verstorbenen Vorgänger Steve Jobs in Sankt Petersburg.

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          Dass sein Outing solche Folgen hat, hätte sich Apple-Chef Tim Cook wahrscheinlich nicht träumen lassen. Das russische Unternehmen „ZEFS“  hat nach Cooks Bekenntnis  zu seiner Homosexualität ein Denkmal für den 2011 verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs, ein zwei Meter großes „iPhone“, abreißen zu lassen. Es stand auf dem Campus einer Universität in Sankt Petersburg.

          Oliver Kühn
          Redakteur in der Politik.

          In einer Pressemitteilung rechtfertigt der Chef des Firmenkonglomerats, Maxim Dolgopolov, den Abriß mit einem Gesetz, das in Russland im vergangenen Jahr verabschiedet wurde. Demnach könne die Propaganda „nicht-traditioneller“ Beziehungen vor Minderjährigen unter Strafe gestellt werden. Da das Denkmal auf dem Campus einer Universität in Sankt Petersburg errichtet wurde, sei es auch Kindern und Jugendlichen zugänglich gewesen.

          Der ZEFS-Chef interpretiert den Zeitungs-Artikel, in dem Tim Cook in der vergangenen Woche seine Homosexualität öffentlich gemacht hatte, als „öffentlichen Aufruf zur Sodomie“ und unterschied dabei nicht zwischen Cook und seinem 2011 verstorbenen Vorgänger Jobs, der für sein unternehmerisches Lebenswerk mit dem Denkmal geehrt worden war.

          Russischer Politiker will Cook die Einreise nach Russland verbieten

          In der vergangenen Woche hatte, als Reaktion auf Cooks Artikel, schon der russische Politiker Vitali Milonov gefordert, dem amtierenden Apple-Chef die Einreise nach Russland zu verbieten. Er könne nichts nach Russland bringen, außer „Ebola, Aids und Gonorrhoe“.

          Das Monument, das größte „iPhone“ der Welt, wie das Unternehmen in seiner Pressemitteilung stolz herausstellt, war im Jahr 2013 aufgestellt worden und hatte einen interaktiven Bildschirm. Auf diesem konnten sich Schüler und Studenten über das Leben von Steve Jobs informieren.

          Die Homosexualität von Cook sei jedoch nicht der einzige Grund, warum das Denkmal weichen musste, hieß es weiter. Das Unternehmen führt als weiteres Argument für den Abriss die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden an. Diese hätten gezeigt, dass Apple mit seiner Technik ermögliche, die Nutzer seiner Geräte auszuspionieren und die Daten dann in die Hände der amerikanischen Geheimdienstes gelangen würden. Auch dies spreche dagegen, das Denkmal in Form eines „iPhones“ stehen zu lassen.

          Seit einiger Zeit verschärft der russische Präsident Putin die Gesetzgebung gegen Homosexuelle. Damit stößt er auf viel Verständnis in der Bevölkerung, in der Homophobie weit verbreitet ist.

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