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Russland, China und die EU : Geopolitik mit Impfstoffen

  • -Aktualisiert am

Wird auch in Europa verimpft: Der russische Impfstoff Sputnik V Bild: dpa

Der schleppende Anlauf der Impfkampagne in der EU hat einen hohen politischen Preis: Die Rivalen des Westens können wieder Zweifel an der europäischen Einigung säen.

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          Wo Impfstoffe herkommen, sollte in einer Pandemie eigentlich keine Rolle spielen. Solange die Mittel wirksam sind, kommt es nur darauf an, sie so schnell wie möglich zu verimpfen. Das aber hat in der EU bekanntermaßen nicht gut geklappt, zumindest nicht im Vergleich zu einigen anderen entwickelten Ländern.

          Und nicht anders als in der klassischen Geopolitik ist es eine Einladung an interessierte Parteien, in ein Vakuum vorzustoßen. Russland hat seinen Sputnik-Impfstoff schon erfolgreich Ungarn und der Slowakei angedient, auch die Tschechische Republik hat Interesse.

          Humanitäre Gründe verfolgt der Kreml damit nicht, denn es gibt ja Berichte, dass es in Russland selbst an Impfstoff fehlt. Putin nutzt die Gunst der Stunde, um in Ländern des früheren Warschauer Pakts wieder Zweifel an der EU zu säen. Und China, der autoritäre Bruder im Geiste, liefert ebenfalls nach Europa, unter anderem nach Ungarn.

          Impfallianz mit Israel

          Dass sich den beiden Rivalen des Westens diese Chance überhaupt bietet, hat sich die EU selbst zuzuschreiben. Man wundert sich immer noch, dass in Brüssel (und Berlin) im vergangenen Jahr unterschätzt wurde, wie wichtig der Aufbau von Produktionskapazitäten und eine rasche Zulassung sind.

          Dass nun auch noch zwei EU-Staaten, nämlich Österreich und Dänemark, mit Israel eine Impfstoffallianz eingehen, zeigt, wie stark das Vertrauen in die Fähigkeiten der EU gesunken ist. Eine Werbung für die europäische Einigung ist all das nicht.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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