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Youtuber Juri Dud über Stalin : Heimat der russischen Angst

Russischer Internethit: Jurij Dud in seinem Film „Kolyma“ Bild: dpa

Mit einem Dokumentarfilm über Stalins Terror fordert ein Youtuber Russlands Erinnerungskultur heraus. Denn ein Großteil der jungen Menschen im Land hat noch nie von den Repressionen unter Stalin gehört.

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          „Wunderbar“, sagt die Frau mit den orangefarbenen Haaren, lächelt und wiegt den Kopf. Der junge Mann gegenüber reißt die Augen auf. Er hat sie gerade gefragt, was sie über den sowjetischen Diktator Josef Stalin denkt. „Wunderbar“, wiederholt sie. „Obwohl mein Vater unterdrückt wurde und illegal in Haft war.“ Zigmas Baukus ist 1984 gestorben, an den Folgen der Zwangsarbeit, die er im GULag in der Region Kolyma verrichten musste.

          Sofia Dreisbach

          Redakteurin in der Politik.

          Seine Tochter Anna Baukite ist dort heute Direktorin eines staatlich finanzierten Sozialzentrums im äußersten Osten Russlands. Sie erzählt vom Schicksal ihres Vaters, wie seine Haare im Lager nachts am Untergrund festfroren bei minus fünfzig Grad. Und davon, dass derselbe Mann ihr später beigebracht hat, dass Stalin großartig ist. „Er hat den Krieg gewonnen, das Land wieder aufgebaut“, sagt Baukite. Und die Verbrechen? „Da waren viele Menschen, die Aufgaben ausgeführt haben. Es war nicht Stalin selbst, es waren die anderen.“

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