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Propaganda in Russland : Syrische Beute auf Gleis 1

Ankunft in Kursk: Den Sonderzug „Syrische Wende“ sollen angeblich Millionen Besucher besichtigt haben. Bild: Picture-Alliance

Ein Zug fährt durch Russland, der den Feldzug in Syrien als zweiten Großen Vaterländischen Krieg erscheinen lässt. Er zeigt Panzer, Transporter, Gewehre – Trophäen aus einem Krieg, der nicht enden will.

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          Am Bahnhof von Wolgograd marschieren Soldaten und Polizisten auf. Neben sie reihen sich Schulkinder mit Landesfähnchen in den Händen. Aus Lautsprechern singt ein Kinderchor „Unsere Armee ist die stärkste“. In einem mobilen Container können sich Bewerber zum Militärdienst mustern lassen. Das frühere Stalingrad, Heldenstadt des Großen Vaterländischen Krieges, ist bereit, an diesem kalten Vorfrühlingstag den Sonderzug „Syrische Wende“ zu empfangen, der Bedeutung gemäß an Gleis 1 des Bahnhofs.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der elegante Bau mit Uhrenturm und schlanker Spitze, wie sie Sowjetdiktator Stalin schätzte, stammt aus der Zeit des Wiederaufbaus der Stadt nach der Zerstörung im deutschen Bombenhagel und in grauenhaften Häuserkämpfen. Die Schlacht, die hier von Juni 1942 bis Februar 1943 tobte, brachte die Wende im Krieg gegen die Eroberer aus dem nationalsozialistischen Deutschland. Danach musste Stalingrad neu errichtet werden, auf den Knochen von Soldaten und Zivilisten. Dem Syrien-Sonderzug geht es um einen anderen Krieg und eine andere Wende. Aber irgendwie immer noch um damals, um das große Trauma und den großen Sieg.

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