https://www.faz.net/-gpf-a3e4v

Russischer Oppositioneller : „Hallo, hier ist Nawalnyj!“

  • Aktualisiert am

Befehl von „ganz oben“: Aleksej Nawalnyj nach seiner Rückkehr aus dem Koma in der Berliner Charité. Um ihn seine Kinder und seine Frau Julija. Bild: Instagram

Der Zustand des russischen Oppositionspolitikers Aleksej Nawalnyj in der Berliner Charité hat sich weiter verbessert. In einem Post auf Instagram wendet er sich erstmals seit seiner Vergiftung wieder selbst an die Öffentlichkeit.

          2 Min.

          Nach wochenlanger Behandlung in der Berliner Charité hat sich der vergiftete Kreml-Kritiker Aleksej Nawalnyj am Dienstag erstmals wieder zu Wort gemeldet. „Hallo, hier ist Nawalnyj! Ich habe euch vermisst“, hieß es in einer Mitteilung auf Instagram, die in seinem Namen veröffentlicht wurde. „Ich kann noch immer fast nichts machen, aber ich habe gestern den ganzen Tag selbständig geatmet.“ Das sei ein von vielen unterschätzter Vorgang, den er sehr empfehlen könne. Auf einem Foto war zu sehen, wie der 44 Jahre alte Politiker sichtlich geschwächt auf seinem Krankenbett sitzt und von seiner Frau Julia umarmt wird. Auch seine beiden Kinder waren dabei.

          Seine Sprecherin Kira Jarmysch bestätigte darüber hinaus am Dienstag, dass Nawalnyj plane, wieder nach Russland zurückzukehren. „Ich bestätige es erneut für jeden: Keine andere Option wurde jemals in Betracht gezogen“, schrieb sie auf Twitter. Ein Sprecher des russischen Präsidialamtes sagte, jeder wäre glücklich, wenn sich Nawalnyj wieder erholen würde. Gleichzeitig betonte er die Bereitschaft zur Aufklärung des Giftanschlags. Die russische Regierung verstehe allerdings nicht, warum sie keinen Zugang zu den Untersuchungsproben von Nawalnyj erhalte.

          Nawalnyjs Gesundheitszustand habe sich weiter verbessert, und er werde zunehmend mobilisiert, hatte die Charité bereits am Montag mitgeteilt. Erstmals aber seit seiner Behandlung in Berlin stimmte die Klinik auch mit ihm selbst ab, welche Informationen an die Medien gehen. Zuvor hatte die Charité dies immer nur mit Nawalnyjs Frau klären können.

          Als Ursache für Nawalnyjs Vergiftung stellten auch zwei weitere Speziallabore in Frankreich und Schweden einen Nervengift-Kampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe fest, wie die Bundesregierung am Montag mitteilte. Zuvor hatte bereits ein Bundeswehr-Labor dies identifiziert. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron forderte eine rasche Aufklärung der Umstände und der Verantwortlichkeiten. Macron sprach von einem „Mordversuch“, wie der Elysée-Palast am Montag in Paris nach einem Telefongespräch zwischen Macron und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin berichtete. Putin habe dabei betont, dass die „unbegründeten, auf nichts basierenden Vorwürfe“ gegen Russland unangemessen seien, teilte der Kreml mit. Er sei in diesem Fall mit Deutschland solidarisch, erklärte Macron, der sich in der Affäre bisher öffentlich zurückgehalten hatte. Frankreich teile – auch auf Grund eigener Analysen – die Schlussfolgerungen mehrerer europäischer Partner, wonach der Nervengift-Kampfstoff Nowitschok als Ursache festgestellt wurde.

          Russland müsse nun im Rahmen einer glaubwürdigen und transparenten Untersuchung Klarheit schaffen, forderte Macron. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte zu den neuen Befunden: „Wir erneuern die Aufforderung, dass sich Russland zu den Geschehnissen erklärt.“ Die deutsche Regierung stehe mit ihren europäischen Partnern „in engem Austausch zu weiteren Schritten“. Es sei eine Zusammenarbeit mit den europäischen Ländern möglich, hieß es aus Moskau. Für eine Klärung des Falls sei aber ein Austausch von Informationen und Proben und die Zusammenarbeit Deutschlands mit russischen Ärzten erforderlich. Deutschland habe inzwischen auch die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) eingeschaltet, so die Bundesregierung. Deren Experten haben demnach ebenfalls Proben von Nawalnyj entnommen, die nun durch Referenzlabore untersucht werden sollen.

          Der 44-Jährige wird seit dem 22. August in Berlin behandelt. Er gilt als einer der schärfsten Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin. Nawalnyj war am 20. August auf einem Flug in Russland zusammengebrochen und in eine Klinik in Sibirien gebracht worden. Später wurde er auf Drängen seiner Familie in die Charité verlegt.

          Weitere Themen

          Tausende fordern Aufnahme von Flüchtlingen Video-Seite öffnen

          Seebrücke-Demo in Berlin : Tausende fordern Aufnahme von Flüchtlingen

          In Berlin haben mehrere tausend Menschen für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge demonstriert. Alle Migranten aus dem zerstörten Lager im griechischen Moria müssten nach Deutschland gebracht werden, forderten die Demonstranten.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.