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Russischer Konvoi : „Wir wissen nicht, was in den Lastwagen ist“

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Der russische Konvoi steht am Mittwoch in der Nähe der Ortschaft Woronesch im Westen Russlands Bild: AFP

Seit Tagen gibt es Streit wegen eines russischen Konvois, der unterwegs Richtung Ukraine ist. Das amerikanische Außenministerium zeigt sich wegen der 280 Lastwagen besorgt. Aus Kiew kommen indes widersprüchliche Signale.

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          Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich skeptisch über den russischen Hilfskonvoi für die Menschen in der Ostukraine geäußert. „Wir wissen nicht, was in den Lastwagen ist“, sagte Außenamtssprecherin Marie Harf. „Es ist klar, dass wir einige Sorgen haben.“ Entscheidend sei, dass nichts ohne die Zustimmung der Regierung in Kiew geschehe. Kiew entscheide darüber, ob und wie die Ladung verteilt werde. Amerika verfolge die Entwicklung, sagte Harf am Mittwoch in Washington.

          Russland hat 2000 Tonnen Hilfsgüter auf den Weg geschickt - doch nach wie vor ist unklar, ob die Lastwagen die Grenze passieren dürfen. Die ukrainische Präsidentschaft nannte am Mittwoch Bedingungen, unter denen der Konvoi möglicherweise doch ins Land gelassen werden könne. Voraussetzung hierfür sei, dass der Konvoi für Lugansk die Grenze an einem Übergang nahe der Stadt überquere und die Ladung der Lastwagen dort von ukrainischen Grenzwächtern und Mitarbeitern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kontrolliert werde, sagte der ukrainische Präsidentensprecher Swjatoslaw Zegolko am Mittwoch in Kiew.

          Er führte weiter aus, dass der Konvoi anschließend von den Separatisten kontrolliertes Gebiet durchquere. In Lugansk müssten die Hilfsgüter von Mitarbeitern des Roten Kreuzes verteilt werden. „Kein zivilisiertes Land lehnt humanitäre Hilfe ab“, sagte Zegolko.

          Moskau hatte die rund 280 Lastwagen am Vortag Richtung Ukraine entsandt. Während Moskau versicherte, die Entsendung des Hilfskonvois sei mit Kiew abgestimmt, reagierte die ukrainische Regierung wütend und drohte damit, die Lastwagen nicht ins Land zu lassen. Ministerpräsident Arseni Jazenju warf Russland „grenzenlosen Zynismus“ vor. „Zuerst schicken sie Panzer, Grad-Raketen und Banditen, die auf Ukrainer schießen, und dann schicken sie Wasser und Salz“, sagte er bei einer Kabinettssitzung. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow erklärte, die russischen Laster würden nicht in die Separatisten-Hochburg Luhansk gelassen, wo wie in dem von Rebellen eingenommenen Donezk Lebensmittel und Wasser knapp werden.

          Bild: F.A.Z.

          Russischen Angaben zufolge befinden sich in den Lastwagen, die am Mittwochabend an der Grenze erwartet wurden, Lebensmittel, Decken und Stromgeneratoren für die Bevölkerung in Lugansk, die seit Wochen ohne Strom, Wasser und ausreichend Nahrung ist. Kiew befürchtet jedoch, dass die Hilfe vor allem den prorussischen Rebellen in der belagerten Stadt zugute kommt.

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