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Konflikt um Nagornyj Karabach : Zwischen Schadenfreude und Putin-Lob

Wladimir Putin und Aserbaidschans Diktator Ilham Alijew unterschreiben im November während eines Videoanrufs Dokumente. Bild: EPA

In Russland wird meist die Vermittlerrolle des Präsidenten im Konflikt um Nagornyj Karabach gelobt. Aserbaidschans Diktator weiß genau, welche Knöpfe er bei Putin drücken muss. Er beschwört das Gespenst der „Farbenrevolution“.

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          Den offiziellen Moskauer Blick auf das Geschehen in und um Armenien gibt der Präsident vor. Wladimir Putin gibt sich ausgewogen, hob etwa hervor, es gelte nach dem Waffenstillstand, den armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan und den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew gleichermaßen „in ihrer Entschiedenheit zu unterstützen, Bedingungen für die friedliche Entwicklung der Situation in der Region zu schaffen“. Also beschränken sich Vertreter des Politapparats meist auf Lob für Putins Vermittlerrolle.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Doch immer wieder wird Schadenfreude über das Scheitern Paschinjans deutlich. Der war schließlich vor zweieinhalb Jahren in einer demokratischen, „samtenen Revolution“ an die Macht gekommen. Derlei lehnt der Kreml als westlich orchestrierte „Farbenrevolution“  ab, hatte sich 2018 in Armenien aber zurückgehalten.

          Jetzt hilft Paschinjan nicht mehr, dass er von Anfang an bekräftigt hat, an den Wirtschafts- und Verteidigungsbündnissen mit Moskau festzuhalten. „Hier in Armenien denkt man, dass Nikol Paschinjan nicht ohne Hilfe der Amerikaner an die Macht kam“, berichtet etwa ein russischer Staatsfernsehmann von den aktuellen Demonstrationen aus Eriwan.

          „Nur Russland kommt“

          „Es sieht so aus, dass die Farbenrevolution beginnt, ihre Kinder zu fressen“, kommentiert die „Nesawissimaja Gaseta“ die Verwüstungen der Büros Paschinjans, des amerikanisch finanzierten Mediums Radio Free Europe/Radio Liberty und der „Open Society“-Stiftung des amerikanischen Philanthropen George Soros in Eriwan. Ganz in Alijews Tradition: „Heute existiert in Armenien ein Soros-Regime. Der Umsturz, der in Belarus nicht gelang, gelang vor zwei Jahren in Eriwan“, hatte Aserbaidschans Diktator kurz nach Beginn des Krieges Ende September im russischen Staatsfernsehen gesagt. Alijew bezeichnete seinen Gegner Paschinjan als „Soros-Günstling“.

          Er weiß genau, welche Hebel in Moskau ziehen; das Gespenst der „Farbenrevolution“ ist besonders wirksam. In Wirklichkeit waren westliche Stiftungen und Medien lange vor Paschinjan in Armenien aktiv. „Wir kommen ohne Moskau aus, der Westen wird uns helfen“, beschrieb nun aber der Vorsitzende der Scheinoppositionspartei „Gerechtes Russland“, Sergej Mironow, Paschinjans Kurs. „Aber der Westen half nicht.“ Vielmehr habe „Eriwans antirussische Politik“ die Beziehungen zwischen beiden Ländern beschädigt.

          Der Schriftsteller und Donbass-Kämpfer Sachar Prilepin, der seit kurzem die neue Kreml-Partei „Für die Wahrheit“ führt, äußerte sich hämisch über Medienberichte, Paschinjan habe in der amerikanischen Botschaft in Eriwan Zuflucht gefunden. „Haben euch eure orangefarbenen Revolutionen, eure amerikanischen Botschaften, eure französische Diaspora, eure progressiven Ansichten und Hoffnungen auf die progressive Menschheit geholfen? Euch lässt man alle und immer fallen. Nur Russland kommt. Man muss nur rechtzeitig und in guter russischer Sprache rufen“, sagte Prilepin. Dabei hatte Paschinjan mehrfach an Putin appelliert, ohne Erfolg.

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