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Russische Raketenabwehr : Assad bietet Syrien als Standort an

Gefragter Gesprächspartner: Assad am 14. Juli in Paris Bild: AP

Der Kaukasus-Konflikt hat erste Auswirkungen auch auf Nahost: Baschar al Assad dient den Moskauer Machthabern Syrien als neuen Raketenstandort an. „Russland sollte wirklich über Gegenschritte nachdenken, um gegen seine Umzingelung vorzugehen“, sagte er kurz vor seinem Treffen mit Medwedjew.

          Der syrische Präsident Assad will nach dem Georgien-Krieg die militärischen Beziehungen zu Russland ausbauen und schließt dabei selbst eine Stationierung von Raketen in seinem Land nicht aus. Assad reiste am Mittwoch zu einem zwei Tage dauernden Russland-Besuch; in Sotschi wollte er auch Präsident Medwedjew treffen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In einem Interview mit der russischen Zeitung „Kommersant“ sagte Assad, die Krise in Georgien habe gezeigt, welche Rolle Israel und seine Militärberater dort gespielt hätten. Moskau hatte Israel vorgehalten, Georgien mit Militärfahrzeugen, Sprengstoff, unbemannten Drohnen und Ausbildung unterstützt zu haben. In Damaskus hieß es, die syrische Regierung hoffe, dass Russland jetzt seine Beziehungen zu Israel überdenken und sich wieder verstärkt arabischen Staaten zuwenden werde.

          Assad: „Der Kauf von Waffen ist sehr wichtig“

          „Militärisch-technische Zusammenarbeit ist das Hauptthema, der Kauf von Waffen ist sehr wichtig. Ich denke, wir sollten sie beschleunigen. Vor allem deshalb, weil der Westen und Israel weiterhin Druck auf Russland ausüben“, sagte Assad in dem Interview auf die Frage, worüber er mit Medwedjew reden wolle.

          Gestern Ahmadinedschad, morgen Medwedjew: Assad Anfang August in Teheran

          Amerika, Israel und die Nato hatten zuletzt Russland gedrängt, seine Rüstungsgeschäfte mit Syrien zu verringern, das in der Region ein Verbündeter Irans ist. Moskau lieferte in den vergangenen Jahren Kampfflugzeuge vom Typ Mig-29 und Mig-31 sowie Raketen. Russische Kriegsschiffe nutzten den Mittelmeerhafen in Tartus.

          In dem Zeitungsgespräch erklärte sich Assad zudem angesichts des von Russland kritisierten amerikanischen Raketenabwehrprogramms bereit, russische Raketen in Syrien zu stationieren: „Russland sollte wirklich über Gegenschritte nachdenken, um gegen seine Umzingelung vorzugehen.“ Noch habe man darüber nicht verhandelt, aber es sei vorstellbar, russische Abwehrraketen vom Typ Iskander in Syrien zu stationieren. Sie haben eine Reichweite von 200 Kilometern und können mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden.

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