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Bulgarien und Russland : Die Botschafterin des Aggressors

Leidenschaftliche Fürsprecherin Wladimir Putins: In Bulgarien repräsentiert Eleonora Mitrofanowa, hier bei einer Feier anlässlich des Sieges über Nazideutschland am 9. Mai in Sofia, die Lügen des Kremls. Bild: Imago

Als russische Botschafterin verbreitet Eleonora Mitrofanowa in Bulgarien bereitwillig Putins Propaganda. Im Land bleiben darf sie trotzdem.

          6 Min.

          Andrij Melnyk ist der ukrainische Botschafter in Deutschland und der bekannteste ausländische Diplomat in Berlin seit Donald Trumps Rüpelgesandtem Richard Grenell und dem Schweizer Party-Botschafter Thomas Borer, der die Hauptstadt vor gut zwei Jahrzehnten mit vermeintlichen oder echten Eskapaden in Atem hielt. Manche schätzen Melnyk, weil er Tacheles redet. Andere finden ihn respektlos und möchten ihn lieber heute als morgen vor die Tür setzen – spätestens, seit er Bundeskanzler Olaf Scholz als beleidigte Leberwurst bezeichnet hat. Wer allerdings glaubt, Melnyk sei ein rhetorischer Wüterich sondergleichen, kennt Eleonora Mitrofanowa nicht. Sie ist seit Januar vergangenen Jahres Putins Botschafterin in Bulgarien, wo sie ähnlich bekannt und mindestens so berüchtigt ist wie Melnyk in Deutschland. Der wirkt im Vergleich zu ihr wie ein öffentlichkeitsscheuer Leisetreter. Immer wieder gelingt es Mitrofanowa mit ihren Äußerungen, die politische Elite in Sofia sowie Teile der Bevölkerung gegen sich aufzubringen – nur dass sie im Gegensatz zu Melnyk nicht im Auftrag der Opfer, sondern als Anwältin des Aggressors agiert.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Ein aufsehenerregender Höhe- respektive Tiefpunkt war am 28. Februar erreicht, dem fünften Tag des russischen Krieges gegen die Ukraine, als die Botschafterin Bulgarien und die bulgarische Regierung als „euroatlantische Bettpfanne“ bezeichnete. Demnach wären der Balkanstaat, sein Volk und dessen demokratisch gewählte Regierung also das Gefäß, in das sich die anderen Mitglieder der NATO oder der EU entleeren. Mi­trofanowa hatte schon vorher bei verschiedenen Gelegenheiten insinuiert, der bulgarische Staat sei eigentlich nicht souverän, sondern nur Befehlsempfänger Washingtons. Auf der Facebook-Seite der Botschaft waren Ministerpräsident Kyrill Petkow und sein Kabinett als „Angestellte“ (der USA) verspottet worden. Doch der Bettpfannen-Vergleich brachte – auch wenn das sprachliche Bild in diesem Zusammenhang gewiss ein wenig heikel ist – das Fass zum Überlaufen.

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