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Machtpolitik im Nahen Osten : Ein russisch-iranisches Eurasien

Verstehen sich immer besser: der iranische Präsident Hassan Ruhani und der russische Präsident Wladimir Putin Bild: dpa

Iran bildet immer mehr Milizen nach dem Vorbild der Hizbullah – und baut die Beziehungen zu Russland aus. Beide Staaten verbindet ein Ziel.

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          Iran baut mit großer Entschlossenheit seine Macht im Nahen Osten aus. Der Islamischen Republik unterstehen im Irak, in Syrien und Libanon (sowie im Jemen) Milizen, die für den Machtanspruch Irans in der Levante stehen. Damit verstößt Iran zwar nicht gegen das Atomabkommen vom Juli 2015. Die Erwartung der vier westlichen Unterzeichner des Abkommens war aber gewesen, dass Iran im Geiste dieser Vereinbarung in seiner gesamten Außen- und Sicherheitspolitik in einen Dialog eintritt. Geschehen ist jedoch das Gegenteil. Denn unbeirrt setzt Iran sein Raketenprogramm fort und bildet nach dem Vorbild der 1982 im Libanon gegründeten Hizbullah proiranische und schiitische Milizen.

          In Syrien ist die Hizbullah mit 6000 Kämpfern präsent, hinzu kommen in neuen Milizen 14.000 Kämpfer aus Afghanistan, Pakistan, dem Irak und anderen Ländern. Aus ihnen soll offenbar eine syrische Hizbullah gebildet werden, die nach dem Abzug der Hizbullah für die iranischen Interessen kämpft. Die iranischen Revolutionsgarden haben rund 1000 eigene Soldaten als Kommandeure und Berater nach Syrien entsandt. Zusammen bilden diese Einheiten die wichtigsten Bodentruppen des syrischen Regimes.

          Im Irak ist die nationalen Armee zu schwach, um sich gegen proiranische Milizen wie die Badr-Brigaden, die faktisch das Innenministerium führen, und die Asaib al Haqq, die unbehinderten Zugang zu staatlichen Ressourcen haben, zu behaupten. Die 2014 für den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ gebildete schiitische „Volksmobilisierung“ (Al hashd al shaabi) ist mit ihren mehr als 100.000 freiwilligen Kämpfern offiziell zwar der Armee unterstellt; ihre Einheiten agieren jedoch weiter autonom.

          Schiitischer Korridor bis ans Mittelmeer

          In der libanesischen Politik ist die Hizbullah seit Jahren die Vetomacht, in ihren Waffendepots lagern nach Schätzungen westlicher Militärfachleute mehr als 120.000 Raketen, die gegen Israel eingesetzt werden können. Zudem hat Iran für die Hizbullah in Syrien zwei Waffenfabriken gebaut sowie zwölf iranische Militärstützpunkte, was auf Pläne für eine langfristige Präsenz Irans in Syrien schließen lässt.

          So ist von Teheran bis ans Mittelmeer ein schiitischer Korridor entstanden. Iran bezeichnet diesen als „Achse des Widerstands“. Denn aus ihr würden Terrororganisationen wie Al Qaida und der „Islamische Staat“ bekämpft. Auch stelle sie sich dem geopolitischen Projekt Amerikas und Israels entgegen, die bestehenden Staaten in kleine Einheiten zu zerschlagen, um so das Überleben Israels zu sichern. Iran sei also kein Aggressor, sondern vielmehr Garant für den Erhalt der territorialen Integrität der einzelnen Staaten, argumentiert der Abgeordnete Mohammad Dschawad Dschamali, der dem außenpolitischen Ausschuss des Parlaments angehört.

          Iran verfolgt jedoch auch langfristige strategische Ziele. Denn Iran sieht sich als Teil des russischen Vorhabens, die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten in der Welt zu beenden und das Gravitationszentrum nach Osten zu verschieben. Das führe zu einer Annäherung Russlands an Iran, sagt Kazem Anbarlui, der als Chefredakteur der Zeitung „Resalat“ zu den wichtigsten Vordenkern der iranischen Hardliner zählt. Die Bewegung von Revolutionsführer Ajatollah Chomeini habe in den vergangenen 50 Jahren den Nahen Osten verändert. Seither nehme der Einfluss des Islams ebenso zu wie der Einfluss Irans. Die Macht der Vereinigten Staaten und auch Israels sinke aber.

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