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Karlspreis für Klaus Johannis : Brückenbauer zwischen Ost und West

Das Lächeln des Karlseisträgers: Klaus Johannis und seine Ehefrau Carmen Johannis am Samstag in Aachen Bild: AFP

Nach langer coronabedingter Verschiebung erhält der rumänische Präsident Klaus Johannis in Aachen den Karlspreis. Ausgerechnet Armin Laschet fehlt – der Unionskanzlerkandidat arbeitet sich an anderen Baustellen ab.

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          Die Verleihung des internationalen Karlspreises ist für die Aachener Jahr für Jahr ein Feiertag mit Volksfestcharakter. Immer an Himmelfahrt wird die Auszeichnung einer Persönlichkeit verliehen, die sich um die Europäische Einigung verdient gemacht hat.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Wegen Corona konnte der Preis 2020 jedoch nicht wie vorgesehen an den rumänischen Präsidenten Klaus Johannis überreicht werden und auch an Himmelfahrt 2021 schien die pandemische Lage noch zu gefährlich für eine Präsenzveranstaltung mit einigen hundert Ehrengästen im Aachener Rathaus und anschließendem Volksfest auf dem Katschhof. Erst am Samstag war es dann soweit – wenn auch noch immer in abgespeckter Form, also mit viel Abstand im Krönungssaal des Rathauses und Mini-Volksfest davor.

          „Europäischstes Land in Südeuropa“

          Klaus Johannis hat Rumänien, das die brutale Ceausescu-Diktatur überwinden konnte, zum „europäischsten Land in Südeuropa“ gemacht, so das Karlspreisdirektorium. Johannis gehört der rumäniendeutschen Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen an und war lange Jahre Bürgermeister seiner Geburtsstadt Hermannstadt (rumänisch Sibiu). Seit 2014 ist er rumänischer Präsident und nicht erst in dieser Funktion sei er ein herausragender Streiter für die europäischen Werte, für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und ein großer Brückenbauer zwischen Ost und West, lobte das Direktorium. Auch ein furchtloser Kämpfer gegen die in seinem Heimatland grassierenden Korruption sei Johannis.

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          In seiner Festrede im Krönungssaal des Aachener Rathauses würdigte EU-Ratspräsident Charles Michel die prinzipientreue Haltung des rumänischen Präsidenten. Nach den Gründungsvätern Europas habe es eine Reihe von Baumeistern wie die französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing, François Mitterrand oder die deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl gegeben. „Stein für Stein errichteten sie die großen Etagen unseres gemeinsamen Hauses – den Binnenmarkt, den Schengen-Raum, den Euro.“ In der großen Linie der Baumeister der EU stehe auch Klaus Johannis. Als Bürgermeister habe er Sibiu in wenigen Jahren zu einer blühenden Wirtschafts- und Kulturstadt gemacht, sagte der EU-Ratspräsident.

          Seit 2014 habe Johannis ebenso ambitionierte Ziele für Rumänien verfolgt. „In einer Zeit, in der Identitäten hitzige Debatten auslösen können und manchmal missbraucht werden verkörpert Klaus Johannis für sich und sein Land das europäische Motto ‚Vereint in Unterschiedlichkeit‘“, lobte Michel. EU-Mitgliedstaaten wie Polen und Ungarn, die in mancherlei Hinsicht höchst bedenkliche Pfade einschlagen, erwähnte der Ratspräsident nicht. Und doch wird deutlich, dass dieser verspätete Karlspreis 2020/2021 auch ein Signal an alle in den östlichen EU-Mitgliedstaaten sein soll, die uneingeschränkt für Rechtsstaatlichkeit kämpfen.

          Auch Johannis irritierte in Identitätsfrage

          Allerdings hatte Johannis just in der von Michel erwähnten Identitätsfrage im Frühjahr 2020 einige Irritationen hervorgerufen. Der rumänische Präsident hatte ohne jegliche Belege die ungarische Minderheit in seinem Land bezichtigt, gemeinsam mit Rumäniens Sozialdemokratischer Partei geheime Verhandlungen mit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orbán mit dem Ziel zu führen, den Landesteil Siebenbürgen „den Ungarn zu geben“. Der Vorfall zog eine Debatte nach sich, ob Johannis wirklich ein würdiger Karlspreisträger sei.

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