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Rumänien : Seifenoper ohne Knalleffekt

  • -Aktualisiert am

Adrian Nastase am vergangenen Mittwoch kurz nach seinem angeblichem Selbstmordversuch im Krankenwagen: Reicht ein Burberry-Schal gegen Blutungen? Bild: REUTERS

Hat der frühere rumänische Ministerpräsident Nastase einen Selbstmordversuch vorgetäuscht, um der Haft nach seiner Verurteilung wegen Korruption zu entgehen? Die frühere Justizministerin Monica Macovei spricht in der F.A.Z. von einer „Seifenoper“.

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          Was fällt einem auf, wenn in der Nähe ein Revolver des Typs Smith&Wesson Special 38 abgefeuert wird? Natürlich der Knall, der immerhin 140 bis 170 Dezibel laut, und zwei Kilometer weit zu hören ist, wenn kein Schalldämpfer verwendet wird. Der Revolver, mit dem sich der frühere rumänische Ministerpräsident Adrian Nastase angeblich das Leben nehmen wollte, hatte nach polizeilichen Angaben keinen Schalldämpfer. Und dennoch hat keiner der Journalisten, Fotoreporter und Schaulustigen, die am Abend des 20. Juni vor seinem Wohnhaus in der Bukarester Zambaccian-Straße auf seine Verhaftung warteten, den Schuss gehört.

          Nastases luxuriöse dreistöckige Villa, die auch seine auf vier bis fünf Millionen Euro geschätzte Sammlung von Möbeln, Waffen und Gemälden beherbergt, liegt in einem vornehmen, verkehrsberuhigten Viertel im ersten Bezirk der rumänischen Hauptstadt. Als sich am Mittwoch voriger Woche die Nachricht von der Verurteilung Nastases zu zwei Jahren Haft verbreitete, trafen vor dem Haus die Übertragungswagen der Fernsehsender ein.

          Schaulustige, Presse und Polizei beobachten wie Nastase in die Klinik gefahren wird. Anschließend wurde er operiert, die Ärzte sollen eine Kugel aus seinem Hals entfernt haben

          Die fünf Richter des Tribunals des Obersten Gerichtshofs hatten ihr Urteil einstimmig gefällt. Es ist rechtskräftig, die Strafe war unverzüglich zu vollstrecken. Zum ersten Mal sollte ein Ministerpräsident der Ära nach Ceausescu in ein Gefängnis überstellt werden. Zehn Fernsehkameras übertrugen Bild und Ton ununterbrochen und in Echtzeit. Den Knall einer Smith&Wesson haben sie nicht aufgezeichnet.

          Rumänische Blogger haben in diesen Tagen die Selbstmordthese ausführlich analysiert und auf zahlreiche Fakten aufmerksam gemacht, die gegen sie sprechen. So waren die Aussagen der Polizei, die dem sozialdemokratischen Innenminister Ion Rus unterstellt ist, widersprüchlich. Da war einmal von einer Patronenhülse die Rede, die in der Bibliothek gefunden worden sei, ein andermal von zwei, dann wieder von drei Hülsen. Angeblich soll sich Nastase mit seinem Revolver in den Hals geschossen haben, das rasche Eingreifen eines Polizisten soll ihn abgelenkt haben, so dass die Kugel die Halsschlagader nur knapp verfehlte.

          Der frühere rumänische Ministerpräsident Adrian Nastase Ende Mai nach einer Anhörung vor dem Obersten Gericht in Bukarest

          Aber auch bei einem Schuss, der den Hals durchschlagen hätte, ohne sie zu treffen, hätte Nastase stark geblutet. Ein Burberry-Schal, wie ihn Nastase im Krankenwagen trug, hätte als Verband dafür nicht gereicht. Die Sanitäter legten dem Patienten auch keine Sauerstoffmaske an. Weder im Wohnhaus noch auf dem Weg ins Spital wurde ihm eine Bluttransfusion verabreicht.

          Ein Noteingriff im Spital wurde nicht für nötig befunden, erst am Tag darauf wurde Nastase von einem kosmetischen Chirurgen operiert. In einer ersten Stellungnahme der Spitalsärzte hieß es, Nastase habe bloß eine kleinere Streifwunde davongetragen, die größte Gefahr für ihn bestehe darin, einen Herzinfarkt zu erleiden. Seine Anwälte hingegen behaupten, die Kugel habe den Hals durchschlagen, nur zufällig habe ihr Klient überlebt.

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