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Drama in Rumänien : 574 Corona-Tote an einem Tag

Laut Präsident Klaus Johannis ist die Corona-Lage in Rumänien dramatisch ( hier eine mobile Intensivversorgungseinheit in Bukarest). Bild: AFP

Rumänien hat eine der weltweit höchsten Raten an Infektionen. Staatspräsident Johannis beklagt ein „Drama von verheerenden Ausmaß“. Patienten werden nach Ungarn ausgeflogen.

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          Rumänien hat derzeit eine der weltweit höchsten Raten an Corona-Neuinfektionen. Am Dienstag wurden in dem Land an einem einzigen Tag fast 19.000 Neuinfektionen sowie 561 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet. Am Mittwoch waren es 574 Todesfälle, mehr als im gesamten Rest der EU im selben Zeitraum. Mehr als 1800 Menschen sind in Rumänien derzeit wegen einer Infektion mit dem Virus auf intensivmedizinische Behandlung angewiesen.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Da die rumänischen Krankenhäuser überlastet sind, werden bereits seit Tagen an Covid-19 Erkrankte zur Behandlung nach Ungarn überwiesen. Staatspräsident Klaus Johannis hatte sich bereits in der vergangenen Woche beim ungarischen Regierungschef Viktor Orbán für die Unterstützung bedankt. Rumäniens Präsident hatte die nun beschlossenen Einschränkungen damit begründet, dass die Krankenhäuser des Landes angesichts eines „Dramas von verheerendem Ausmaß“ vollkommen überlastet seien. Auch die auf das Coronavirus bezogene Sterberate in Rumänien ist laut Statistiken eine der weltweit höchsten oder gar die höchste in der Pandemie.

          Parteikongress fast ohne Schutzmaßnahmen

          Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, soll am Montag ein Paket von Maßnahmen in Kraft treten. Zu ihnen gehören nach rumänischen Medienberichten eine zweiwöchige Unterbrechung des Schulunterrichts sowie eine nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte. Zugleich forderte die Regierung die Bevölkerung auf, sich impfen zu lassen. Derzeit sind weniger als 35 Prozent der Rumäninnen und Rumänen gegen Covid-19 geimpft. Allerdings war die Regierung nicht mit gutem Beispiel vorangegangen. So fand unlängst ein Kongress der Nationalliberalen Partei, an dem auch deren heimlicher Chef Johannis teilnahm, mit 5000 Teilnehmern und fast ohne Schutzmaßnahmen statt. Die Polizei verhängte deswegen ein Bußgeld wegen Verletzung der Abstandsregeln und Nichteinhaltung der Maskenpflicht.

          Inmitten der Pandemie-Krise dauert in Rumänien auch die Regierungskrise an. Präsident Johannis scheint auf ein neues Kabinett zu setzen, das im Parlament voraussichtlich auf die Duldung der als korruptionsanfällig geltenden Sozialdemokratischen Partei (PSD) angewiesen wäre. Diese Partei hatte Johannis im vergangenen Jahr noch als eines der Erzübel Rumäniens bezeichnet. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Johannis den derzeitigen Verteidigungsminister Nicolae Ciuca, einen General der rumänischen Armee, als Ministerpräsident nominieren will. Ciuca gilt als Gefolgsmann des Präsidenten.

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          ANMELDEN

          Die reformorientierte „Allianz zur Rettung Rumäniens“ soll offenbar nicht ins Kabinett eingeladen werden. Die fehlenden Stimmen für eine Mehrheit im Parlament müsste die PSD beschaffen. Diese galt zur Zeit ihres früheren Vorsitzenden Liviu Dragnea, der im Mai 2019 zu einer Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs verurteilt wurde, als Hort der Korruption und der systematischen Veruntreuung von Strukturfördermitteln.

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