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Neuer nationaler Gedenktag : Warum Rumänien der weltweiten Christenverfolgung gedenkt

Ein Orthodoxer verlässt nach einem Gottesdienst in Konstanza am Schwarzen Meer die Kirche mit Maske. Bild: AP

Am Abend werden in Bukarest Gebäude rot angestrahlt, um an verfolgte Christen weltweit zu erinnern. Der Mann hinter der Initiative gilt als Verfechter nationalistischer Positionen – und sieht neben den Christen auch die Freiheit der Rede in Gefahr.

          6 Min.

          Die Bukarester Innenstadt erstrahlt an diesem Sonntag blutrot: Das Parlament, der Regierungssitz, die wichtigsten Verwaltungsgebäude, der Triumphbogen zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und ein historisch bedeutsamer Palast nordwestlich der rumänischen Hauptstadt werden vom Einbruch der Dämmerung bis um Mitternacht rot angestrahlt.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          So sieht es ein im Juni vom Parlament verabschiedetes Gesetz vor, laut dem der 16. August eines jeden Jahres in Rumänien fortan dem Gedenken an verfolgte Christen in aller Welt gewidmet ist.

          Der Gedenktag solle ein Bewusstsein schaffen für die Gewalttaten und Verfolgungen, denen Christen weltweit ausgesetzt waren und auch heute noch sind, heißt es in dem Text des mit großer Mehrheit gebilligten Gesetzes. Aus Anlass dieses Tages sollen im ganzen Land künftig jedes Jahr öffentliche Gedenkfeiern, Gottesdienste und ähnliche Veranstaltungen stattfinden.

          Der 16. August wurde nicht aus Zufall zum Datum des Gedenktages bestimmt. Am 15. August 1714 wurden der walachische Fürst Constantin Brancoveanu, sein Berater sowie seine vier Söhne in Istanbul auf Befehl von Sultan Ahmed dem Dritten enthauptet. Die Möglichkeit, ihr Leben durch einen Übertritt vom Christentum zum Islam zu retten, hatten sie abgelehnt. Getötet wurden sie, weil Fürst Brancoveanu, unter dessen fast 25 Jahre währender Herrschaft die Walachei eine Blütezeit erlebte, heimlich Kontakt zu Russlands Zar Peter dem Großen geknüpft hatte, dem Erzfeind des Osmanischen Imperiums.

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          Brancoveanu wollte die Walachei, ein damals halbwegs eigenständiges, aber dem Sultan tributpflichtiges Fürstentum im Süden des heutigen EU-Staates Rumänien, der Oberhoheit der Osmanen entziehen. Das kostete ihn schließlich das Leben. Für ihre Weigerung, sich durch eine Konversion zum Islam das Leben zu retten, wurden der Fürst und seine Söhne 1992 von der orthodoxen Kirche Rumäniens zu „heiligen Märtyrern“ kanonisiert.

          Im Kalender der rumänischen Orthodoxie war der 16. August schon lange vorher als Feiertag eingetragen. Der 15. August, also der eigentliche Todestag, kam als Gedenktag nicht in Frage, da er kirchlich auch in Rumänien bereits durch Mariä Himmelfahrt besetzt ist.

          Regelmäßiger Gast bei „Sputnik Romania“

          Künftig ist der 16. August in Rumänien aber eben nicht mehr allein ein kirchlicher, sondern auch ein staatlicher Gedenktag. Initiator des Gesetzes ist Daniel Gheorghe, ein Abgeordneter der „Partidul National Liberal“, der Nationalliberalen Partei, die auch die politische Heimat des offiziell parteilosen rumänischen Staatspräsidenten Klaus Johannis ist. Gheorghe vertritt, vorsichtig formuliert, pointierte Ansichten. Der Politiker, Jahrgang 1985, gilt als Verfechter nationalistischer Positionen, warnt vor den „politisch korrekten Lügen“, die Europa heute angeblich prägen, trat auch als entschiedener Gegner einer staatlichen Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe hervor.

          Es überrascht deshalb nicht, dass er gern zitiert wird von „Sputnik Romania“, einer seit 2016 existierenden rumänischen Ausgabe des russischen Internetportals, auf dem in mehr als zwei Dutzend Sprachen Kremlpropaganda verbreitet wird. Dort kritisiert Gheorghe das rumänische Außenministerium dafür, „allem möglichen globalistischen Unsinn gegenüber sehr offen“ zu sein, sich nationalen Anliegen der Rumänen aber zu verschließen. „Es ist an der Zeit, dass wir unseren Glauben daran bezeugen, frei zu sein und unsere eigenen Herren zu werden“, sagte Gheorghe 2018 laut „Sputnik“ und fügte hinzu, jedwede „Unterordnung Rumäniens unter eine ausländische Entität“ sowie die Ausrichtung des nationalen Interesses an einer „nivellierenden globalistischen Agenda“ sei kategorisch abzulehnen.

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