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Neuer nationaler Gedenktag : Warum Rumänien der weltweiten Christenverfolgung gedenkt

Besonders heikel ist die Lage im Nahen Osten. In ihrem ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit, deren bisher letzte Ausgabe die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland im Jahr 2017 vorstellten, heißt es etwa, dass im Irak die numerische Bedeutung der christlichen Minderheit seit Jahren schwinde. Von 500.000 Christen noch im Jahr 2013 waren nach Schätzungen christlicher Bischöfe vor drei Jahren nur noch höchstens 300.000 im Land geblieben. Allein aus der Provinz Ninive seien 125.000 Christen vor dem Terror des „Islamischen Staates“ geflohen. Die Rückkehr nach der Zerschlagung der Terrorgruppe bleibt schwierig.

Auch in buddhistisch geprägten Staaten kann die Lage religiöser Minderheiten, einem populären Irrtum zum Trotz, äußerst schwierig sein: „Das buddhistisch dominierte Myanmar, das seine muslimische Volksgruppe der Rohingya und die mehrheitlich christliche Ethnie der Karen systematisch unterdrückt, ist hierfür ein Beispiel“, heißt es in dem Bericht der beiden großen Kirchen in Deutschland. In Indien sei die Lage ebenfalls schwierig: „In Indien entwickelt sich zunehmend ein Hindu-Nationalismus, der die im Land seit Jahrhunderten heimischen Muslime und Christen als Agenten Pakistans beziehungsweise des Westens stigmatisiert.“

Selbstverständlich gelte es, allen Menschen in Not zu helfen

Die Verfolgung von Christen, auch das heben die Befürworter der rumänischen Initiative hervor, ist also keinesfalls nur ein historisches, längst überkommenes Phänomen aus dem Osmanischen Reich oder der Antike, als man die Anhänger Jesu wilden Tieren zum Fraß vorwarf. In Europa, sagen Gheorghe und andere Unterstützer des Gedenktages, achte man schließlich sehr auf die Rechte von Minderheiten – und so habe der Kontinent, auf dem das Christentum am stärksten Fuß fasste, auch die besondere Pflicht, auf die Verfolgung außereuropäischer Christen aufmerksam zu machen.

Eine Frage stellt sich allerdings in einem Land wie Rumänien, in dem sich gerade Politiker des rechtskonservativen Spektrums wie Gheorghe besonders schwertun mit dem Gedanken, Einwanderung aus anderen Ländern und Kulturkreisen zu akzeptieren: Wäre man über das reine Gedenken hinaus auch bereit, christliche Flüchtlinge im eigenen Land aufzunehmen, etwa aus Somalia, Pakistan oder dem Nahen Osten? Selbstverständlich, sagt Gheorghe. Er sei schon während der Flüchtlingskrise dafür eingetreten, dass Rumänien Christen aus dem Irak und Syrien eine neue Heimat biete. Rumänien, sagt Gheorghe, solle Christen aus aller Welt Hilfe gewähren, ohne Ansehen ihres Glaubensbekenntnisses und ihrer Herkunft. „Also nicht allein orthodoxen Christen, sondern Christen aller Konfessionen.“ Das ergebe sich schon aus der rumänischen Geschichte, denn die Fürstentümer Walachei und Moldau hätten über Jahrhunderte hinweg dasselbe getan.

Die Frage danach, ob es nicht auch zu einem christlichen Weltbild gehöre, allen Notleidenden zu helfen, also auch Muslimen, bejaht der Abgeordnete zwar ebenfalls, allerdings weniger ausführlich. Selbstverständlich gelte es, allen Menschen in Not zu helfen. Der rumänische Gedenktag habe aber besonders die Christen im Blick, weil sie durch die Kriege und den Terrorismus im Nahen Osten nun einmal auf ganz besondere Weise zu Opfern von Verfolgung, Vertreibung und Gewalt geworden seien.

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