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Neuer nationaler Gedenktag : Warum Rumänien der weltweiten Christenverfolgung gedenkt

Seinen erfolgreichen Vorstoß zur Initiierung eines Christengedenktages erklärt er gegenüber der F.A.S. auf ähnliche Weise. Fürst Brancoveanu, seine Söhne und sein Vertrauter verdienten es, durch einen Gedenktag gewürdigt und auch in Europa anerkannt zu werden – denn durch ihre Weigerung, zum Islam überzutreten, hätten sie sich vor drei Jahrhunderten für die damals geltenden europäischen Werte geopfert, erläutert der Politiker den historischen Teil seiner Initiative. Doch es gehe ihm auch um die Gegenwart, betont Gheorghe: „Seit Jahren werden immer mehr Christen weltweit verfolgt und zu Opfern von Gewalttaten. Es vollzieht sich eine regelrechte Offensive gegen Christen.“

Europa werde heimgesucht von „intellektuellem Terrorismus“

Die Idee des Gedenktages sei es daher, über die Erinnerung an die „Brancoveanu-Märtyrer“, wie sie in Rumänien genannt werden, auch auf die heute stattfindende Gewalt gegen Christen aufmerksam zu machen. „Die Gewalt gegen Christen findet heute auf verschiedenen Ebenen statt: durch den Islamismus und den Dschihad, aber auch in totalitären Regimen wie in Nordkorea und China“, sagt Gheorghe. Das in seinem Land nunmehr gesetzlich verfügte jährliche Gedenken solle eine Hilfe für christliche Kirchen in Not sein.

Der Mann aus der Lieblingspartei des rumänischen Präsidenten sieht das Christentum allerdings nicht nur auf anderen Kontinenten in Gefahr. Er will eine Bedrohung sogar in Europa selbst bemerkt haben. Diese rühre von einer „Wiederbelebung neomarxistischer und säkular-nihilistischer Bewegungen“ her, die eine Strategie der Beschränkung der Freiheiten von Christen verfolgten. Dabei gehe es um Sprachzensur und die Einschränkung der freien Meinungsäußerung, behauptet der Abgeordnete. Wo genau sich eine solche „Sprachzensur“ beobachten lasse und von wem sie ausgehe, kann Gheorghe auf Nachfrage allerdings nur vage ausführen.

Er spricht von „intellektuellem Terrorismus“ zur Einschüchterung der christlichen Gemeinschaft „in vielen europäischen Ländern“, nennt jedoch kein einziges beim Namen. Auch die Frage, was intellektueller Terrorismus durch säkular-nihilistische Bewegungen überhaupt sei, kann der Abgeordnete nicht wirklich beantworten. Beispiele könne er leider nicht nennen, denn er kenne zwar welche, habe sie aber nicht „inventarisiert“, sagt Gheorghe.

Der orthodoxe Erzbischof Teodosie bei einem Gottesdienst in Konstanza.
Der orthodoxe Erzbischof Teodosie bei einem Gottesdienst in Konstanza. : Bild: AP

Auch wenn man die Abendlandsuntergangsstimmung des Initiators von Rumäniens neuem Gedenktag nicht teilt: Seine Darstellung, dass viele Millionen Menschen im Nahen Osten, in Afrika und in Asien verfolgt oder schikaniert werden, weil sie Christen sind, ist nicht zu bestreiten. Beispiele gibt es in Hülle und Fülle. Im einst als vergleichsweise liberal geltenden Algerien geht der Staat inzwischen systematisch gegen Christen vor, in Ägypten werden Kopten immer wieder Opfer von Anschlägen auf Gottesdienste, und auch in vielen anderen Ländern werden Menschen getötet oder diskriminiert, weil sie Christen sind. Islamistische Terroristen wählen, wie etwa bei den Anschlägen von Sri Lanka zu Ostern 2019, bewusst hohe christliche Feiertage für ihre Verbrechen, weil die dann besonders vollen Kirchen höhere Opferzahlen versprechen.

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