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Rumänien : Das Gelbe vom Blei

  • -Aktualisiert am

Im Goldfieber: Rosia Montana Bild: AFP

In Europas größter Goldmine in Siebenbürgen lagern 314 Tonnen des Edelmetalls. Umweltschützer kämpfen gegen die Ausbeutung, doch in der Wirtschaftskrise wächst das Begehren.

          Es geht um 314 Tonnen Gold und 1480 Tonnen Silber, nach den gegenwärtigen Preisen also um etwa 14 Milliarden Euro. Soll der Schatz im rumänischen Rosia Montana gehoben werden, oder soll man ihn aus Rücksicht auf Landschafts- und Umweltschutz ruhen lassen? Seit fünfzehn Jahren tobt der Streit, und so lange drücken sich die rumänischen Politiker um eine Entscheidung.

          Jetzt reichte es Präsident Traian Basescu. Bei der Vereidigung des neuen Umweltministers Attila Korodi warnte Basescu vor den Folgen weiterer Verzögerungen. Der kanadische Konzern Gabriel Resources habe bisher fast eine halbe Milliarde Dollar investiert und könnte auf Vertragsverletzung klagen. Entweder sei das Projekt durchführbar, sagte der Präsident, dann müsse die Regierung unverzüglich grünes Licht geben, oder sie müsse es abbrechen.

          Die größte Goldlagerstätte Europas liegt in Siebenbürgen, etwa 80 Kilometer nördlich von Alba Iulia (Karlsburg, Gyulafehérvár), und sie ist auch eine der ältesten. An der Stelle der römischen Siedlung Alburnus Maior wurden Schächte entdeckt, die auf das zweite Jahrhundert zurückgehen. Die unter Ceauescu durch offenen Abbau intensivierte Goldförderung hat riesige Umweltschäden angerichtet. Rosia Montana („roter Berg“) heißt die Siedlung aufgrund der Verfärbung der Flüsse und Bäche. Der Gehalt von Schwermetallen wie Blei in den Gewässern überschreitet die gesetzlichen Maximalwerte um ein Vielfaches. Vor zwölf Jahren gelangte in Baia Mare hochgiftiges Zyanid in die Theiss und löste eine der größten Umweltkatastrophen in der Geschichte der Region aus. Damals wuchs auch der Widerstand gegen den Goldabbau, dessen Wiederaufnahme von der Regierung in Bukarest 1997 genehmigt worden war.

          Der Umweltminister musste zurücktreten

          An dem Projekt ist das kanadische Unternehmen mit 80 Prozent, der rumänische Staat mit 20 Prozent beteiligt. Gabriel Resources verspricht, beim Zyanid-Einsatz Sicherheitsvorschriften beachten zu wollen, die strenger seien als die Auflagen und Richtlinien Rumäniens, der EU und der Vereinten Nationen. Die Umwelt-Altlasten sollen beseitigt, die verursachten Schäden durch Landschaftsgestaltung und Aufforstung weitgehend behoben werden.

          Rumänien

          Den Gegnern reichen die Versprechen nicht. Mit immer neuen Auflagen und Klagen gelang es ihnen bisher, die Wiederaufnahme der Förderung zu verhindern. Den jüngsten Erfolg erzielten sie, als der Flächenwidmungsplan abermals von einem Gericht aufgehoben wurde. Vorige Woche musste der bisherige Umweltminister Laszlo Borbely, ein erklärter Gegner des Projektes, wegen des Verdachtes der Korruption zurücktreten.

          Sein Nachfolger, Attila Korodi, gehört ebenfalls der ungarischen UDMR an. Korodi hatte 2007 schon einmal als Umweltminister eine laufende Umweltverträglichkeitsprüfung suspendiert, und damit die Entscheidung über eine Genehmigung aufgeschoben. Erwartungsgemäß zögerte er, als ihn Basescu jetzt zur Eile drängte. Basescu kann sich hingegen auf einen Meinungsumschwung in Rumänien berufen. Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise erklärten sich bei einer im Februar durchgeführten Umfrage 82 Prozent für die Wiederaufnahme der Goldförderung. Am stärksten ist die Unterstützung in dem von hoher Arbeitslosigkeit geplagten Rosia Montana.

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