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Rumänien : Bioenergetische Kampfmittel im Wahlkampf?

  • -Aktualisiert am

Mircea Geoana Bild: AP

Der unterlegene sozialdemokratische Präsidentschaftskandidat Geoana behauptet, während des Wahlkampfs bioenergetischen Attacken seines Gegners ausgesetzt gewesen zu sein. Präsident Basescu habe Leute mit paranormalen Fähigkeiten engagiert, um negative Energieströme gegen ihn zu lenken.

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          Der rumänische sozialdemokratische Parteivorsitzende Mircea Geoana behauptet, während des Präsidentschaftswahlkampfs bioenergetischen Attacken seines Gegners ausgesetzt gewesen zu sein. Traian Basescu habe Leute mit paranormalen Fähigkeiten engagiert, um negative Energieströme gegen ihn zu lenken, sagte Geoana in einer Talkshow des Nachrichtenkanals Antena 3. Während einer Fernsehdiskussion mit Basescu hätten diese Leute rechts neben der Kamera gestanden: „Ich habe sie gesehen und ich weiß, wer sie sind.“

          Geoanas Frau Mihaela, die während der TV-Debatte in der ersten Reihe der Zuschauer direkt hinter ihrem Mann saß, will bei dieser Gelegenheit ebenfalls einige Strahlen abbekommen haben. „Ich glaube, dass Mircea unter schwerem Energie-Beschuss stand“, sagte Frau Geoana, „ich habe das stark gespürt, ich hatte gar keine Energie, konnte gar nichts tun, ich konnte mich nicht konzentrieren.“ Geoana gab zwar an, selbst keinen Energieverlust verspürt zu haben, fügte aber hinzu, er sei sich sicher, dass Basescu solche Angriffe befohlen habe. In der zweiten Runde der Präsidentenwahl war Geoana nur knapp von Basescu besiegt worden. Basescu erhielt 50,3 Prozent der Stimmen, Geoana 49,7.

          Violette Krawatten als Verschwörungszeichen

          Mehr über die von Basescus Team angewandten bioenergetischen Kampfmittel will der sozialdemokratische Senator und bekennende Esoteriker Viorel Hrebenciuc wissen, der für Geoana den Wahlkampf organisierte. Hrebenciuc vermutet, sein Chef sei einer „Verschwörung der violetten Flamme“ zum Opfer gefallen. Es sei ihm, Hrebenciuc, nämlich aufgefallen, dass Basescu in den entscheidenden Phasen des Wahlkampfes immer wieder violette Krawatten getragen habe. Basescu erklärt dies damit, dass Violett die Farbe des Jahres 2009 gewesen sei und man ihm violette Kleidungsstücke geschenkt habe.

          Rumänien : Basescu gewinnt Präsidentenwahl

          In esoterischen Kreisen, die von der Kraft der violetten Flamme überzeugt sind, dürfte ihm das niemand glauben. Wie eine kurze Internet-Recherche ergab, scheint sich die violette Flamme jedoch nicht für bösartige Angriffe zu eignen, da sie doch dazu dient, „die nicht der göttlichen Ordnung entsprechenden Zustände auf der Erde umwandeln zu können in wundervolle Harmonie, liebevolles Miteinander und Frieden“.

          Die konservative Tageszeitung „Romania libera“ ätzte, Geoana und Basescu wären in diesem Wahlkampf vielleicht nur Avatare in einem mit Laser-Schwertern ausgetragenen Dschihad ätherischer Körper gewesen. Ein Leser der Internet-Plattform Hotnews.ro wollte wissen, wo Geoana seinen Stoff beziehe, ein anderer stellte sich ihn als Präsidenten vor – mit einem Aluminiumhelm zur Abwehr böser Strahlen.

          In der sozialdemokratischen PSD herrscht Verwirrung, denn bisher hatte Geoana erklärt, von Basescu mit den klassischen weltlichen Mitteln des Wahlbetruges und Stimmenkaufs ausgetrickst worden zu sein. Von bösen Energieströmen war da noch nicht die Rede gewesen. Der PSD-Ehrenvorsitzende Iliescu fragte an, ob die Partei vorhabe, zu Nostradamus zurückzukehren. Der wegen Großkorruption angeklagte frühere Ministerpräsident Adrian Nastase sagte, dass es wohl andere Aufgaben gäbe als parapsychologische Sessionen vorzubereiten. Den längst eröffneten Kampf um die Entsorgung Mircea Geoanas und die Bestimmung seines Nachfolgers an der Spitze der PSD hat die „violette Flamme“ erst so richtig angeheizt.

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