https://www.faz.net/-gpf-9gi2g

Rüstungszusammenarbeit : Frankreichs Angst vor Deutschlands Abschied

  • -Aktualisiert am

Auf nach Litauen: Bundeswehrsoldaten des Panzergrenadierbataillons 371 am 21. Juni 2017 beim Abschiedsappell im sächsischen Marienberg Bild: EPA

Staatspräsident Macron fordert eine „wahre europäische Armee“. Doch schon bei der Rüstungskooperation hakt es. Frankreichs führende Militärs und Wehrindustriechefs sind gegenüber den Deutschen äußert misstrauisch.

          4 Min.

          Die Worte des französischen Staatspräsident am Sonntag, anlässlich der Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren, ließen keinen Zweifel. Emmanuel Macron will eine „wahre europäische Armee.“ Er fordert sie geradezu. Auf dieser Seite des Rheins stößt er damit auf offene Ohren. Europa als starker sicherheitspolitischer Akteur ist das Leuchtturmprojekt deutsch-französischer Regierungsvorhaben. In der Wirtschafts- und Migrationspolitik ist Europa tief gespalten. Militärisch dagegen wollen die Europäer seit Russlands Krim-Annexion zusammenrücken. Das macht die Militärpolitik des Kontinents zum entscheidenden Betätigungsfeld für Paris und Berlin, um Führungsstärke zu zeigen. Dafür haben beide Länder eine ambitionierte gemeinsame Rüstungsagenda angeschoben – an der Spitze ein Hightech-Kampfflugzeug der kommenden Generation. Doch auf französischer Seite sind Misstrauen und Befürchtungen gegenüber dem deutschen Partner immens. Denn jenseits der Lippenbekenntnisse bei Sonntagsreden wird es schnell schwierig.

          Das zeigt eine Risikoanalyse zur französischen Rüstung, verfasst vom Abgeordneten Jean-Charles Larsonneur. Dieser sitzt für die Partei von Frankreichs Präsident Macron „La République En Marche!“ in der Nationalversammlung. Die Stellungnahme entstand zur Entscheidungsfindung des Verteidigungsausschusses der Assemblée Nationale zum Wehrhaushalt 2019. Die Liste der Befragten umfasst Frankreichs Top-Militärs und Chefs der Wehrindustrie wie General Phillippe Lavigne, Stabchef der Luftwaffe, und Atoine Bouvier, der den Raketenhersteller MBDA leitet.

          Beim Hauptprojekt eines Future Combat Air Systems, kurz FCAS, haben die Partner völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie das Vorhaben aufgesetzt werden soll. Die Franzosen wünschen, dass zügig ein administrativer Rahmen für das Projekt geschaffen wird, der gemeinsame Studien für das FCAS ermöglicht, gerade für dessen Hauptindustriepartner Airbus und Dassault. Bis jetzt konzeptionieren Frankreichs Streitkräfte und die Bundeswehr noch in separaten Studien am künftigen Waffensystem.  Frankreichs Rüstungsdirektion - Direction Générale de l'Armement - hat ihrem deutschen Pendant, dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung, einen Vorschlag zu Informationsaustausch zukommen lassen; eine Antwort der Deutschen steht noch aus.

          Bei jenen scheint der Fokus eher darauf zu liegen, das Projekt politisch voranzubringen. So hat auch Spanien Interesse an dem Projekt bekundet. Es gab erste trilaterale Gespräche, deren Ausfluss den Franzosen nicht schmeckt. Joël Barre, Chef der französischen Rüstungsdirektion, laut Analyse: „Die Einbeziehung der Spanier ist kein Problem, so lange ihr Ehrgeiz nicht unvernünftig ist.“ Nach französischem Verständnis steht den Spaniern erst mal nur ein Beobachterstatus zu. Dass jene Einsicht in Frankreichs Studien zum Future Comat Air System fordern, ohne sich politisch auf das Projekt verpflichtet zu haben, betrachten die Franzosen als dreist. Doch laut Barre, will Deutschland Spanien schon jetzt eng einbinden.

          Weitere Themen

          Selenskyj lehnt Rücktritt seines Regierungschefs ab Video-Seite öffnen

          Zweite Chance : Selenskyj lehnt Rücktritt seines Regierungschefs ab

          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Rücktrittsgesuch seines Regierungschefs Olexii Gontscharuk abgelehnt. Gontscharuk hatte zuvor seinen Rücktritt eingereicht, nachdem ein Tonmitschnitt mit abfälligen Bemerkungen des Regierungschefs über den Präsidenten bekannt geworden war.

          Nichts als Zucker?

          FAZ Plus Artikel: Homöophathie : Nichts als Zucker?

          Über Globuli streiten die Deutschen gerne und viel. Für die einen sind homöopathische Präparate schlicht Betrug am Patienten, für die anderen sind sie eine Alternative zur Schulmedizin. Dabei sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse eindeutig.

          Topmeldungen

          Huawei-Werbung in Peking

          Aufbau von 5G-Netz : Seehofer will Huawei nicht ausschließen

          Im Streit über eine Beteiligung von Huawei am deutschen 5G-Ausbau lehnt Horst Seehofer „globale und pauschale Handelsbeschränkungen“ ab. Das sehe die Kanzlerin genauso, sagte der Bundesinnenminister der F.A.Z.
          Wünscht sich wieder bessere Beziehungen zu Burma: Chinas Staatschef Xi Jinping trifft „Staatsrätin“ Aung San Suu Kyi

          Xi Jinping in Burma : Das Spiel mit dem Schmuddelkind

          Lange pflegte China enge Beziehungen zu Burma. Doch mit dem Ende der Militärdiktatur entfremdeten sich die Nachbarländer. Nun will Peking die alte Nähe wiederherstellen – und stärkt dem Land im Streit um den Umgang mit den Rohingya den Rücken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.