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Rückzug aus Afghanistan : Der unvollständige Abschied

  • -Aktualisiert am

Afghanische und Isaf-Soldaten bei einer gemeinsamen Kommandoübergabe im Isaf-Hauptquartier in Kabul Bild: REUTERS

Die ausländischen Truppen planen ihren Rückzug aus Afghanistan. Nach einem kräftezehrenden Einsatz nicht nur der Bundeswehr sind die Taliban zwar geschwächt - vollständig vertrieben sind sie aber nicht.

          Als Generalmajor Jörg Vollmer vor gut vier Jahren zum ersten Mal das Kommando in Nordafghanistan führte, mussten seine Truppen verlustreiche Kämpfe gegen Taliban führen. Wenn er am 21. Februar zum zweiten Mal den Befehl über die internationalen Truppen in Mazar-i-Sharif übernimmt, hat er vor allem deren Abzug zu organisieren. Vollmer dürfte der vorletzte Zweisternegeneral der Bundeswehr auf diesem Posten sein.

          Sein Auftrag lautet, bis Februar kommenden Jahres den Abzug der derzeit noch 8000 Soldaten aus 17 Ländern vorzubereiten sowie die Zahl der Standorte in der Region von 14 auf acht zu reduzieren. Die Bundeswehr beabsichtigt, ihre Kräfte innerhalb der nächsten zwölf Monate um 1100 auf 3300 Soldaten zu verringern. Wie viele der heute etwa 2500 amerikanischen Soldaten Anfang 2014 noch in Nordafghanistan stationiert sein werden, hängt von den Entscheidungen Präsident Obamas über die Gesamtstärke der amerikanischen Truppen am Hindukusch für die Zeit nach 2014 ab. Sie hängt eng mit der Unterzeichnung des Stationierungsabkommens mit der afghanischen Regierung zusammen, das sich nach Auffassung hoher Militärs in Berlin indes weiter verzögern könnte. Stationierungsabkommen, in denen etwa die Straffreiheit für die eigenen Soldaten in Afghanistan geregelt werden soll, sind für die Regierungen aller Nato-Mitglieder, auch für die Bundesregierung, eine zwingende Voraussetzung für ihre Beteiligung an einer Isaf-Folgemission. Sollten die Verhandlungen zwischen Washington und Kabul scheitern, würden alle Nato-Truppen bis Ende 2014 abgezogen werden. General Vollmer wird dies bei der Ausarbeitung eines Zeitplans für den Abzug der Truppen aus dem Norden zu berücksichtigen haben.

          Die Taliban sind geschwächt, besiegt sind sie nicht

          Die Bundeswehr beginnt in den kommenden Wochen damit, ihren Außenposten in der Nähe der Stadt Pol-e-Khumri in der Provinz Baghlan zu räumen. Auf dem Hügel sind seit knapp drei Jahren Kampftruppen in Bataillonsstärke (etwa 600 Mann) stationiert, die mit den afghanischen Sicherheitskräften seit dem Sommer 2010 erfolgreich in einem Gebiet entlang der wichtigen Fernverkehrsstraßen von Kabul nach Mazar-i-Sharif beziehungsweise Kundus operiert haben. Es ist ihnen gelungen, die Taliban erheblich zu schwächen; vollständig vertrieben sind sie jedoch nicht. Mit zehn Gefallenen und einem Vielfachen an Verwundeten hat der Einsatz in Baghlan einen hohen Blutzoll von der Bundeswehr gefordert.

          Ein Versorgungs-Truck der Nato beim Grenzübergang von Afghanistan nach Pakistan

          Im Juli soll der Abzug der noch 500 deutschen Soldaten aus Kundus beginnen. Seit Oktober 2003 ist die Bundeswehr in der Stadt stationiert, 19 Soldaten sind dort seitdem gefallen. Das Feldlager wird bis Ende November vollständig geräumt und an den afghanischen Staat übergeben. Das Camp wurde 2005 von der Bundeswehr bezogen, erwies sich jedoch schnell als zu klein. Mit der Eskalation der Lage in der Region Kundus im Jahr 2009 wurden mehr Truppen, Waffen und Fahrzeuge geschickt, als das ursprünglich für 500 Soldaten gebaute Feldlager aufnehmen konnte. Nach wie vor investiert die Bundeswehr Millionen in den Ausbau des Camps, obwohl feststeht, dass sie zum Jahresende abziehen wird. Das Geld sei schon genehmigt und der Bauauftrag erteilt worden, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Über die künftige Nutzung des Feldlagers verhandeln Vertreter der Bundesregierung seit Monaten mit den Afghanen. Im Gespräch ist, auf dem Gelände mit seiner für afghanische Verhältnisse luxuriösen Infrastruktur einschließlich fester Gebäude, Abwasserkanalisation, Stromversorgung und asphaltierter Straßen einen Universitätscampus einzurichten. Doch entschieden sei noch nichts, sagt ein ranghoher Offizier in Berlin.

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