https://www.faz.net/-gpf-9ndfu
Bildbeschreibung einblenden

Kandidatenfeld wächst auf acht : Wer folgt auf May?

Will May beerben: Boris Johnson Bild: EPA

Acht amtierende oder ehemalige Minister aus dem Kabinett der scheidenden Premierministerin haben bislang bekundet, Theresa May beerben zu wollen. Favorit ist Boris Johnson. Es gibt allerdings auch schon prominente Absagen.

  • Aktualisiert am

          Nach der Rücktrittsankündigung der britischen Premierministerin Theresa May ist das Rennen um ihre Nachfolge in vollem Gange. Bis Sonntag brachten sich bereits acht Kandidaten in Stellung, die sich um den Parteivorsitz der konservativen Tories und damit auch um den Posten des Regierungschefs bewerben. Als Favorit gilt der frühere Außenminister Boris Johnson, der Mays Brexit-Kurs immer wieder scharf kritisiert hatte.

          Neben Johnson warfen eine Reihe amtierender und früherer Minister ihren Hut in den Ring: Außenminister Jeremy Hunt, Gesundheitsminister Matt Hancock, Entwicklungsminister Rory Stewart, die frühere Arbeitsministerin Esther McVey und der frühere Brexit-Minister Dominic Raab gaben bis Sonntagvormittag ihre Kandidatur bekannt. Nach Informationen der BBC will sich zudem auch Umweltminister Michael Gove bewerben. Hinzu kam die am Mittwoch zurückgetretene Ministerin für Parlamentsangelegenheiten, Andrea Leadsom.

          Als aussichtsreiche potentielle Kandidaten gelten zudem Verteidigungsministerin Penny Mordaunt und Innenminister Sajid Javid. Arbeitsministerin Amber Rudd sagte dagegen der BBC, sie werde nicht antreten.

          May hatte am Freitag angesichts des Brexit-Chaos angekündigt, am 7. Juni vom Vorsitz der Konservativen zurückzutreten. Den Posten der Premierministerin behält sie übergangsweise, bis ihre Nachfolge an der Parteispitze geregelt ist.

          Der mehrstufige parteiinterne Prozess zur Wahl des Parteivorsitzes soll in der Woche ab dem 10. Juni beginnen und bis zur am 20. Juli beginnenden parlamentarischen Sommerpause abgeschlossen sein. Am Ende entscheiden die rund 100.000 Parteimitglieder zwischen den zwei Kandidaten, die bei den Abgeordneten die meiste Unterstützung haben.

          An der Basis hat vor allem der frühere Außenminister Johnson viele Anhänger. „Wir werden die EU am 31. Oktober verlassen, mit einem Deal oder ohne“, sagte er während eines Besuchs in der Schweiz. „Der beste Weg, zu einem guten Deal zu kommen, ist es, sich auf einen No-Deal vorzubereiten.“

          Ein Brexit ohne Austrittsabkommen mit der EU sei „keine politisch mögliche Wahl für den nächsten Regierungschef“, sagte dagegen Gesundheitsminister Hancock dem Sender SkyNews. Er kündigte auf Twitter an, beim Brexit „liefern“ zu wollen. Dann müsse das Land auch bei anderen Dingen „vorankommen“ und sich eine „strahlende Zukunft“ aufbauen.

          Michael Gove im Oktober 2018 beim Parteitag der Konservativen in Birmingham

          Außenminister Hunt stellte insbesondere seine Verhandlungserfahrungen als Geschäftsmann als Qualifikation für den Posten des Regierungschefs in den Vordergrund. „Abkommen zu machen, ist mein täglich Brot“, sagte Hunt, der in den neunziger Jahren Unternehmer war, der „Sunday Times“.

          Der frühere Brexit-Minister Raab schrieb in der „The Mail on Sunday“, er bevorzuge zwar einen EU-Austritt mit Abkommen. Die EU werde Großbritannien aber nur „ernst nehmen“, wenn klar sei, dass London zur Not auch bereit sei für einen harten Brexit und anschließende Handelsbeziehungen auf Grundlage der Vorschriften der Welthandelsorganisation. Raab ist ein noch größerer EU-Kritiker als Johnson und gilt zusammen mit Hunt und Gove als dessen wichtigster Konkurrent für Mays Nachfolge.

          May war im britischen Parlament dreimal mit ihrem mit Brüssel ausgehandelten Austrittsabkommen gescheitert, der Brexit musste zweimal verschoben werden. Da viele ihrer potenziellen Nachfolger Brexit-Hardliner sind, befürchten in der EU nun viele, dass ein harter Brexit ohne Abkommen unausweichlich ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Charismatisch und skrupellos : Was will Boris Johnson?

          Er ist Held der englischen Nationalisten und Favorit für den Vorsitz der Konservativen. Einen echten Plan für den Brexit hat der begabte Scharlatan noch immer nicht.

          FAZ Plus Artikel: Eurofighter-Absturz : 50 Meter an der Katastrophe vorbei

          Ein Pilot stirbt, einer ist schwer verletzt – schlimm genug. Bei der Suche nach Wrackteilen der abgestürzten Eurofighter in Mecklenburg zeigt sich, dass es noch schlimmer hätte kommen können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.