https://www.faz.net/-gpf-139kw

Rücktritt in Alaska : Sarah Palin gibt wieder Rätsel auf

  • -Aktualisiert am

Was trieb Sarah Palin zum Rücktritt? Bild: AP

Warum will Sarah Palin nicht mehr Gouverneurin sein? Bereitet sie sich auf eine Präsidentschaftskandidatur 2012 vor? Hat sie dem Druck nicht mehr standgehalten? Oder will sie einfach nur mehr Geld verdienen?

          2 Min.

          Für Überraschungen ist Sarah Palin immer gut. Mit einer dicken Überraschung begann nicht nur ihre nationale Karriere, als sie vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain Ende August 2008 zur „running mate“ als Anwärterin auf das Amt des Vizepräsidenten vorgestellt wurde. Eine faustdicke Überraschung war schon im November 2006 ihre Wahl zur Gouverneurin des Bundesstaats Alaska gewesen – als erste Frau und zudem mit damals 42 Jahren in so jungem Alter wie keiner ihrer Amtsvorgänger.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die nächste Überraschung nach ihrer Nominierung war ihr Auftritt beim „Krönungsparteitag“ John McCains in St. Paul am 3. September. Es war eine fulminante Rede, verfolgt von begeisterten Parteitagsdelegierten und gut 40 Millionen Fernsehzuschauern. Was dann kam, bis zur Wahlnacht am 4. November, war weniger überraschend, sondern hatte sich schon während des Sommers angedeutet.

          Hat sie einen besseren Job in Aussicht?

          Die „Blase“ auf dem Immobilienmarkt platzte. Der Finanzmarkt brach zusammen, an der Wall Street in New York gingen Großbanken und Versicherungsriesen in die Knie. Dann erwischte es die Automobilindustrie. Und schließlich begannen Amerika und dann die Welt in die tiefste Rezession seit der Großen Depression zu rutschen. Dass in einem Rezessionsjahr ein Kandidat der Oppositionspartei die Präsidentenwahl gewinnt, ist nicht überraschend – zumal dann nicht, wenn er ein Ausnahmetalent wie Barack Obama ist.

          Was trieb Sarah Palin zum Rücktritt? Bilderstrecke
          Rücktritt in Alaska : Sarah Palin gibt wieder Rätsel auf

          Sarah Palin aber ging nach der Wahlniederlage neben John McCain vom 4. November nach Alaska zurück und wurde wieder Gouverneurin. Bis sie am Vorabend des Nationalfeiertages überraschend ihren Rücktritt zum 26. Juli ankündigte. Die restlichen 16 Monate ihrer Amtszeit soll nun ihr Stellvertreter Sean Parnell in der Hauptstadt Juneau regieren.

          Was der Rücktritt von Sarah Palin zu bedeuten hat, war am Samstag das politische Thema. Will sich die fünffache Mutter, wie bei ihrer improvisiert wirkenden Pressekonferenz in ihrem Heimatstädtchen Wassila verkündet, mehr ihrer Familie widmen, zumal ihrem jüngsten Sohn Trig, der am Down-Syndrom leidet? Oder hat sie einen besser dotierten Job in Aussicht als den mit einem Salär von gerade einmal rund 125.000 Dollar entlohnten des Gouverneurs? Muss sie einfach mehr Geld verdienen, um die zur Abwehr von Betrugsvorwürfen aufgelaufenen Anwaltskosten in Höhe von einer halben Million Dollar zu begleichen? Oder will sie in Ruhe jenes autobiographisch geprägte Buch schreiben, das im Frühjahr erscheinen soll und das der Verlag „Harper Collins“ gewiss mit einem stattlichen Voraushonorar versüßt hat?

          Hat Sarah Palin womöglich dem Druck der persönlichen Anfeindungen gegen sie – und jüngst von David Letterman gegen ihre Töchter – nicht mehr standgehalten? Ist sie gar vor der schwierigen Aufgabe des Regierens in Zeiten der Wirtschaftskrise davongelaufen? Oder ist alles nur eine Vorbereitung auf eine Präsidentschaftskandidatur 2012 oder wenigstens die Bewerbung um einen Sitz im Senat 2010?

          Die Einschätzungen über die Politikerin Sarah Palin liegen weit auseinander. Den einen ist sie ein Naturtalent, eine Fackelträgerin konservativer Werte und eine attraktive künftige Führungsgestalt der Republikaner. Andere halten sie für unqualifiziert, hysterisch und unfähig. Von Sarah Palin nichts mehr zu hören wäre eine echte Überraschung. Vielleicht ist sie sogar zu dieser Überraschung fähig.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Airbus der Lufthansa landet im November 2020 auf dem Berliner Flughafen Tegel.

          Klimaschutz : Rettet die Inlandsflüge

          Ein Verbot von Inlandsflügen, wie es zuletzt in Frankreich beschlossen wurde, ist der falsche Weg zum Klimaschutz. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten.
          Wichtiger Wert: Wie viele Covid-Kranke auf  Intensivstationen liegen.

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.
          Am 18. Juni in Teheran: Ebrahim Raissi winkt den Medien zu, nachdem er seine Stimme in einem Wahllokal abgegeben hat. Die Wahl gewann er.

          Irans neuer Präsident : Schlächter und Schneeflocke

          Nächste Woche tritt Ebrahim Raissi sein Amt als iranischer Präsident an. Mit ihm zerbricht der Mythos vom reformfähigen Regime. Weiß der Westen, mit wem er es zu tun bekommt? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.