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Rücktritt des Außenministers : Ist das Boris Johnsons dritte Chance?

  • Aktualisiert am

Boris Johnson am 5. März in London Bild: AFP

Boris Johnson ist als britischer Außenminister zurückgetreten – nach einer ganzen Reihe von Fehltritten. Doch abschreiben sollte man den Brexit-Hardliner deshalb noch lange nicht. Denn er hat ein Ziel.

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          So richtig kam Boris Johnson nie an in seiner Rolle als Außenminister. Nach dem Brexit-Referendum 2016 hatte ihn Premierministerin Theresa May in ihr Kabinett berufen – wohl auch, um Johnsons Ambitionen auf das Amt des Regierungschefs zu bremsen. Doch als May in der Folge die Parlamentswahlen vorzog und eine Niederlage einfuhr, traute sich Johnson immer mehr aus der Deckung. Wiederholt fuhr er ihr öffentlich mit seinen Vorstellungen vom Brexit in die Parade – die vorläufig letzte Attacke gegen May ritt er am Montag, mit seinem Rücktritt. Johnson galt als wichtigster Brexit-Hardliner im Kabinett und hat nun womöglich die Chance gewittert, das zu werden, was er schon als Kind werden wollte: „Welt-König“ – oder zumindest Chef der britischen Regierung.

          Johnson wurde in eine wohlhabende Familie geboren. Als ältestes von vier Kindern besuchte er zunächst die Europäische Schule in Brüssel, später das renommierte Eliteinternat in Eton. Ab 1983 studierte Johnson Klassische Philologie an der Universität Oxford. Dort war er Präsident des Debattierclubs „Oxford Union“ und Mitglied des exklusiven „Bullingdon Club“ – der vor allem für seine ausufernden Partys bekannt ist. An der englischen Elite-Universität lernte Johnson auch David Cameron kennen, seinen späteren Widersacher bei den Tories.

          Ein „listiger Fuchs, verkleidet als Teddybär“

          Obwohl Johnsons Familie zum britischen Establishment gehört, galt er in der Politik schnell als volksnah und unkonventionell – auch weil er scheinbar keine Hemmungen hat, Grimassen zu schneiden, zu fluchen und zu stolpern. Doch vieles an seinem Benehmen könnte nur Show sein. Er sei ein „listiger Fuchs, verkleidet als Teddybär“, sagte einst Conrad Black, der ehemalige Herausgeber des „Telegraph“, über Johnson.

          Nach dem Studium zog es Johnson aber erst einmal in den Journalismus. Nach verschiedenen Stationen wurde er mit 35 Chefredakteur des Wochenmagazins „Spectator“. Als Chefredakteur bemühte sich Johnson um eine Balance, die manche auf der Insel mit Argwohn beäugten: der von Politik und Entertainment. Nicht selten wurde ihm vorgehalten, den Ernst zugunsten der Unterhaltung zurückzudrängen. Seine frechen Kolumnen und schrillen Auftritte in Fernsehsendungen machten Johnson Mitte der neunziger Jahre einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Er schuf sich eine breite Fangemeinde. Bei aller Provokation und Unangepasstheit, die geschäftliche Bilanz Johnsons konnte sich sehen lassen: Das Magazin steigerte seine Auflage während Johnsons Amtszeit um zehn Prozent.

          Ende der neunziger Jahre wechselte Johnson in die Politik. 2001 zog er bei den Parlamentswahlen für den erzkonservativen Wahlkreis Henley-on Thames (Oxfordshire) in das britische Unterhaus ein. Ab Oktober 2003 war Johnson einer der Stellvertreter des damaligen Vorsitzenden der Torries, Michael Howard. Jedoch musste Johnson seinen Posten schon bald wieder räumen, nachdem er Howard nicht die Wahrheit über einen Seitensprung gesagt hatte.

          Johnsons politische Karriere schien vorbei zu sein, bevor sie richtig begonnen hatte. Doch er kehrte, zur Überraschung vieler, schon bald wieder zurück auf die politische Bühne – als Kandidat zur Londoner Bürgermeisterwahl 2008. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen setzte sich Johnson am Ende gegen den Labour-Konkurrenten Ken Livingstone durch. Während seiner Amtszeit als Bürgermeister machte sich Johnson einen Namen als Hardliner im Kampf gegen Verbrechen und Kriminalität. Als eine seiner ersten Amtshandlungen verfügte er ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr Londons.

          Die zweite Chance

          Doch London reichte ihm nicht. Schnell sahen Medien in Johnson den schärfsten Konkurrenten von Tory-Chef David Cameron um den Posten des Premierministers. Nach den für die Tories erfolgreichen Unterhauswahlen vom 6. Mai 2010 wurde dann aber doch sein ehemaliger Studienkollege Cameron zum neuen Premierminister und Nachfolger von Labour-Politiker Gordon Brown ernannt. Johnson startete in der Folge in eine zweite Amtszeit als Londoner Bürgermeister – und war bald beliebt wie nie zuvor. Als er 2012 die Olympischen Spiele in der britischen Hauptstadt eröffnete, skandierten Tausende seinen Namen.

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