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Rücktritt des Außenministers : Ist das Boris Johnsons dritte Chance?

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Mit der Brexit-Kampange erhielt Johnson seine zweite Chance auf das Amt des Premierministers. 2016 war er deren treibende Kraft. Über die Frage, warum er damals den offenen Konflikt mit Cameron suchte und dem zu jenem Zeitpunkt weit zurückliegenden Lager der Austrittsunterstützer („Leavers“) beitrat, rätselte so mancher Beobachter auf der Insel. Johnson habe den Schritt weniger aus inhaltlicher Überzeugung, als aus taktischem Kalkül gewählt, so ihre Lesart. Mit dem anschließenden Votum für einen EU-Ausstieg hatte Johnson möglicherweise selbst nicht gerechnet, dementsprechend schlecht vorbereitet waren die Brexit-Befürworter.

Als David Cameron in Folge des Votums zurücktrat, schien Johnson auf dem besten Weg, Premierminister zu werden. Doch es kam anders. Nachdem sein Weggefährte, Justizminister Michael Gove, überraschenderweise seine Kandidatur angekündigt hatte, erklärte Johnson seinen Rückzug – und verpasste seine zweite Chance auf den Einzug in Downing Street Number 10. Er wurde stattdessen Außenminister, obwohl diplomatisches Geschick – von außen betrachtet – nicht seine größte Stärke zu sein schien. Die Liste der Fehltritte des 54 Jahre alten Politikers ist lang. Dabei ist nicht immer klar, ob er aus Berechnung Porzellan zerschlägt oder aus Ignoranz. Sein Image als unangepasster Charakterkopf hat er in den vergangenen Jahren auf jeden Fall gepflegt.

Boris und sein besonderes Verhältnis zur Wahrheit

Schlagzeilen machte Johnson etwa, als er bei einem Parteitag der Konservativen über die ehemalige libysche IS-Hochburg Sirte als potentielles Touristenparadies sprach. „Sie müssen nur die Leichen wegräumen“, scherzte er. Groß war die Empörung auch, als er in einem buddhistischen Tempel in Burma während eines offiziellen Besuches ein kolonialzeitliches Gedicht rezitierte – in dem eine Buddha-Statue als „Götze aus Matsch“ bezeichnet wird. Vor dem Brexit-Referendum verglich er die Ambitionen der EU mit dem Großmachtstreben Hitlers und Napoleons. Und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schmähte Johnson mit einem frivolen Gedicht über eine Ziege. Im Mai fiel er auf einen Telefonscherz herein und plauderte mit einem Komikerduo über den diplomatisch heiklen Skripal-Fall.

Im Falle eines Brexits versprach er den Briten, 350 Millionen Pfund an EU-Beiträgen pro Woche in das Gesundheitssystem zu stecken. Dabei verschwieg er aber ein wichtiges Detail: dass London einen großen Teil seiner Beiträge ohnehin zurückerhält. Berichten zufolge begrüßte ihn der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault bei einem Treffen denn auch mit den Worten, dass Johnson in der Brexit-Kampagne „eine Menge gelogen“ habe. Und der ehemalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier soll Mitarbeitern anvertraut haben, dass er es „nicht ertragen“ könne, mit Johnson im selben Raum zu sitzen.

Dass Boris Johnson zur Wahrheit zumindest ein zwiespältiges Verhältnis hat, zeichnete sich schon früh ab. Seinen ersten Job als Journalist bei der renommierten Tageszeitung „The Times“ verlor Johnson, weil er absichtlich ein Zitat verfälschte. Geschadet hat ihm das nicht. Der „Telegraph“ stellte ihn an und schickte ihn als Korrespondenten nach Brüssel.

Johnsons Fehltritte gerieten immer schnell in Vergessenheit, diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch seine Biografie. Genau wie seine Ambitionen auf das Amt des Premierministers. Abschreiben sollte man Johnson deshalb nach seinem Rücktritt nicht. Ganz im Gegenteil. Theresa Mays Regierung steckt in einer schweren Krise – seine dritte Chance könnte sich schon bald ergeben.

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