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Zweiter Weltkrieg : Rückhalt für Polen-Denkmal wächst

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Aufstand im Warschauer Ghetto: Die Opfer der NS-Besatzung in Polen sollen mit einem neuen Denkmal gewürdigt werden. Bild: Picture-Alliance

Vor knapp 80 Jahren griff Nazi-Deutschland Polen an. Nun will ein breites Bündnis von Abgeordneten an die Opfer der NS-Besatzung erinnern. Nur die AfD hält sich raus.

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          Im Bundestag wächst offenbar die Unterstützung für ein Denkmal, das in Berlin an die Opfer der NS-Besatzung in Polen erinnern soll. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, hat ein von mehreren Abgeordneten formulierter Aufruf inzwischen 240 Unterstützer aus allen Fraktionen „mit Ausnahme der AfD“.

          Ein solches Denkmal könne dazu anregen, „sich stärker mit dem polnischen Leid unter deutscher Besatzung und dem NS-Terror zu beschäftigen“, sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble der Zeitung. Außerdem trage ein solches Denkmal dazu bei, „den von diesen Erfahrungen mitbestimmten Blickwinkel unserer Nachbarn auf die heutigen Herausforderungen in Europa besser zu verstehen“.

          Der Aufruf von Manuel Sarrazin (Grüne), Paul Ziemiak (CDU), Dietmar Nietan (SPD), Thomas Nord (Linke) und Alexander Müller (FDP) beklagt, das Wissen um den „besonderen Charakter des deutschen Besatzungs- und Vernichtungsregimes in Polen zwischen 1939 und 1945“ sei in Deutschland „nicht hinreichend ausgeprägt“.

          Gedenkveranstaltung zum Angriff auf Polen

          Der Anstoß zu dieser Debatte kommt von einer Initiative um den ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbach, und weiterer Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Sie machen sich für die Errichtung eines Erinnerungsortes am Askanischen Platz unweit der Kriegsruine des Anhalter Bahnhofs stark. Dort ist für den 1. September auch eine Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen geplant. Mit diesem Angriff begann 1939 der Zweite Weltkrieg; bis zu sechs Millionen Polen fielen in der Folgezeit den Kampfhandlungen und dem Regime der Nationalsozialisten zum Opfer, die Hälfte davon Juden.

          Parlamentspräsident Schäuble wird auf der Gedenkveranstaltung sprechen, ebenso wie seine polnische Amtskollegin, Sejmmarschallin Elzbieta Witek. Der Grünen-Abgeordnete Sarrazin kündigte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ an, man werde in den kommenden Monaten an einer Mehrheit im Bundestag für einen Auftrag an die Bundesregierung arbeiten, ein Konzept für den Gedenkort im Zentrum Berlins zu erstellen.

          Neben der Initiative für ein Polen-Denkmal gibt es Bestrebungen, in Berlin einen „Ort der Information, des Dialogs und des Gedenkens“ an alle Opfer der NS-Vernichtungskriege im Osten zu errichten. Diesen Ansatz favorisieren unter anderen die Historiker Martin Aust und Peter Jahn sowie der ehemalige Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Markus Meckel.

          Die in Frankfurt/Oder lehrende Historikerin Claudia Weber, eine Unterstützerin des Polen-Denkmals, sagte unlängst in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), sie habe, „was die Aufarbeitung der Vergangenheit grundsätzlich anbelangt, Zweifel, ob Denkmäler dafür immer die richtige Lösung sind“. Diese müssten das Geschehen zwangsläufig komprimieren, dabei gingen „Grautöne und Konflikte“ unter. Historiker und Medien sollten stattdessen verstärkt „Widersprüche veranschaulichen, Mythen und einfache Deutungen hinterfragen“.

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