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Ružica Djindjić : Die populäre Witwe

Spitzenkandidatin: Ruzica Djindjic Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Ružica Djindjić, Frau des ermordeten Ministerpräsidenten Zoran Djindjić, führt Serbiens Demokraten in den Wahlkampf ums Parlament. Wer in ihr nur ein Maskottchen des demokratischen Lagers sieht, irrt. Michael Martens über die „serbische Jacqueline Kennedy“.

          Es war ein düsteres Familienporträt, das den Serben im März 2003 von der Beerdigung ihres ermordeten Ministerpräsidenten Zoran Djindjić ins Haus flimmerte. Die Fernsehbilder zeigten die um Fassung ringende Witwe Ružica neben ihrer aufgelösten Tochter und dem damals kaum zehn Jahre alten Sohn, der sich - womöglich in dem kindlichen Wunsch, dem vorherrschenden Männerbild der Gesellschaft gerecht zu werden - sichtbare Gefühlsregungen versagte.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Millionen Serben verfolgten in jenen den Pulvergeruch von Umsturz und Instabilität ausströmenden Tagen die Direktübertragung des staatlichen Fernsehsenders aus der Hauptstadt und behielten die Bilder von dem Trauerzug Hunderttausender durch Belgrad in Erinnerung. Der zu Lebzeiten bei vielen seiner Landsleute zuletzt nicht mehr sonderlich populäre Reformer galt unmittelbar nach seinem gewaltsamen Tode plötzlich als der beliebteste Politiker des Landes.

          Keine Führungsansprüche

          Diese Popularität hat sich auf Ružica Djindjić übertragen. Zurückhaltend und auf Ausgleich bedacht, hat die Witwe aus der zweiten politischen Reihe heraus das Erbe ihres Ehemannes angetreten. Dass sie dabei nicht die vorderste Front der Tagespolitik suchte, war ihrem Ansehen nur förderlich: Sie konnte ihre Glaubwürdigkeit erhalten, indem sie sich nicht der Notwendigkeit aussetzte, sie unter Beweis stellen zu müssen. Frau Djindjić wurde im Februar 1960 in dem südwestlich von Belgrad unweit der Grenze zu Bosnien gelegenen Städtchen Valjevo geboren und studierte an der Juristischen Fakultät der Universität Novi Sad.

          2003: Ruzica Djindjic nimmt Abschied von ihrem Mann

          Nach dem Tode ihres Mannes engagierte sie sich für Waisenkinder und wurde Vorsitzende einer nach ihm benannten Stiftung, die sich unter anderem der Bildungsarbeit widmet. In der Demokratischen Partei (DS), die von ihrem Mann einst zur bestimmenden Kraft im Kampf gegen das Regime von Slobodan Milosevic aufgebaut worden war, blieb sie zwar eine hochangesehene Persönlichkeit, tat aber zu keiner Zeit Führungsansprüche kund. Als sie im März 2006 dennoch zur unmittelbaren Führungsriege der DS stieß, verweigerte sie den Posten einer stellvertretenden Vorsitzenden mit dem Hinweis auf ihre Kinder, um die sie sich kümmern wolle.

          Mehr als ein Maskottchen

          Seit Ende des Jahres steht sie nun allerdings doch ganz nahe an der Rampe. Sie gab dem Drängen ihrer Partei nach und ließ sich zu deren Spitzenkandidatin für die vorgezogene serbische Parlamentswahl am 21. Januar küren. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass Frau Djindjić nach den Wahlen in die Tagespolitik einsteigen wird, doch irrt, wer in ihr nur ein Maskottchen des demokratischen Lagers in Serbien sieht. Bald nach ihrer Nominierung überraschte sie mit der Aussage, sie werde auch als Ministerpräsidentin des Landes zur Verfügung stehen, sollte ihre Partei sie nach der Wahl darum bitten. „Die kommende Wahl ist nicht nur ein Kampf zwischen Parteien, denn wir werden auch darüber entscheiden, ob Serbien dem Weg folgen wird, den mein Ehemann beschritten hat. Ohne jeden Zweifel wäre ich bereit, den Posten der Ministerpräsidentin zu akzeptieren, denn das wäre ein Beitrag dazu, die Position der Frauen in Serbien zu stärken.“

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