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Erdogans Offensive : „Die Türkei will mehr“

Eine Frau am Mittwoch in Nordsyrien Bild: AFP

Dem türkischen Präsidenten Erdogan geht es um territoriale Ansprüche und den Kampf gegen die Kurden. Der Politikwissenschaftler Roy Karadag erklärt im Interview, wie der türkische Präsident die syrischen Flüchtlinge dabei zur Waffe macht.

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          Herr Karadag, mit dem angekündigten Abzug amerikanischer Truppen im Nordosten Syriens wurde der Weg für einen dritten Einmarsch der Türkei frei gemacht. Warum hat Ankara so unmittelbar darauf reagiert?

          Ich denke, das hat mit mehreren Faktoren zu tun, ist größtenteils aber auf die zukünftigen Kämpfe um Idlib zurückzuführen. Die türkische Seite geht davon aus, dass das syrische Regime die Stadt und die Region in naher Zukunft zurückerobern möchte. Die zu erwartenden heftigen und blutigen Kämpfe des Regimes unter Einsatz von Bomben von oben und unter Inkaufnahme von zivilen Toten werden vor Ort zu Fluchtbewegungen und zur Zersplitterung der Kampfgruppen führen. Erdogan aber galt bisher als selbstinszenierter Schutzherr dieser letzten islamistischen Kämpfer auf syrischem Territorium. Mit der Eroberung Idlibs hätte Assad sein Territorium einigermaßen wiederhergestellt, der Krieg gegen die sunnitischen Rebellen wäre dann zu Ende, und Erdogan hätte darin nichts mehr zu sagen. Es geht der Türkei also erst mal um die Ankündigung von Druck auf die verschiedenen Akteure in und außerhalb der Region.

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