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Bürokratische Hürden : Roma-Slums als Impflücke Europas

Eine Romni in einem Lager in Plementina im Kosovo am 8. April 2020 Bild: EPA

Die Elendsviertel der Roma auf dem Balkan galten zu Beginn der Pandemie als mögliche Infektionstreiber. Nun ist die Frage, wie es gelingen kann, Europas größte ethnische Minderheit flächendeckend zu impfen.

          3 Min.

          Beengte Wohnverhältnisse, Mangel an sauberem Wasser, allgemein schlechter Gesundheitszustand der Bevölkerung: Als vor einem Jahr in der heraufziehenden Pandemie über Risikogebiete in Europa diskutiert wurde, war oft von den Roma-Elendsvierteln des Balkans als potentiellen Infektionstreibern die Rede. Ein serbischer Arzt warnte, die Seuchenbekämpfung könne nur so erfolgreich sein wie das schwächste Glied in der Kette, und das seien in Südosteuropa die Roma: „In ihren Slums findet das Virus ein Rückzugsgebiet, aus dem es wieder vordringen könnte, wenn die allgemeinen Beschränkungen gelockert werden.“

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Später gerieten südosteuropäische Slums wie Stolipinowo in Plowdiw, die mit 60.000 oder mehr Einwohnern größte aller Roma-Siedlungen, jedoch aus dem Blickfeld. Die Befürchtungen, dass es von dort aus immer wieder neue Infektionsausbrüche geben werde, selbst wenn das Virus in den jeweiligen Mehrheitsgesellschaften unter Kontrolle sei, schienen sich nicht zu bewahrheiten. Zumindest gab es dazu keine eindeutigen Belege.

          Keine Papiere, keine Versicherung

          Abgesehen davon, dass von „Kontrolle“ über das Virus nie die Rede sein konnte, kann das auch mit der seit jeher schwierigen Datenerhebung zu tun haben bei allen Fragen, die Europas größte ethnische Minderheit betreffen. Denn viele der zehn bis zwölf Millionen Roma sind nicht krankenversichert, manche haben nicht einmal eine Geburtsurkunde, von einer regulären Wohnadresse ganz zu schweigen. Staatliche Statistiken erfassen sie nicht.

          Bei den Roma handelt es sich um eine vergleichsweise junge Bevölkerung mit unterdurchschnittlicher Lebenserwartung. Das mag zu milden und unbemerkten Verläufen beigetragen haben, aber auch dazu gibt es keine gesicherten Daten. Tatsache ist, dass viele Roma in ihren Gesellschaften jeweils stark ausgegrenzt sind. Es gibt wenig Berührungspunkte mit der jeweiligen Bevölkerungsmehrheit. Das wirkt sich auch auf die Virusübertragung aus ihren Gemeinschaften heraus und in ihre Gemeinschaften hinein aus.

          Können Roma mit Impfkampagnen erreicht werden?

          Nun zeichnet sich jedoch eine andere Sorge ab. Können die Roma-Bevölkerungen durch Impfkampagnen erreicht werden, oder wird dieser in manchen südosteuropäischen Staaten beträchtliche Teil der Gesellschaften weitgehend schutzlos bleiben? Dass es bei Roma eine „Impflücke“ gibt, ist nicht erst seit der Corona-Pandemie bekannt. Hinweise lieferte unter anderem eine 2016 veröffentlichte Studie mit dem Titel „The Roma vaccination gap“, für die Daten aus zwölf europäischen Staaten erhoben und verglichen wurden.

          Das Autorenkollektiv kommt zu dem Schluss, dass Kinder der Roma-Minderheit in den meisten untersuchten Staaten deutlich seltener gegen die üblichen Krankheiten geimpft sind als Kinder der jeweiligen Mehrheitsgesellschaften. Als positive Ausnahmen werden Bulgarien, Ungarn, die Republik Moldau und die Slowakei genannt.

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