https://www.faz.net/-gpf-15xr0

Roma im Kosovo : Kein Land in Sicht im neuen Staat

  • -Aktualisiert am

Kein Herz für Roma: Unterkunft in Ljeposavic Bild: Markus Bickel

Zwischen den Fronten fanden sich die Roma während des Kosovo-Krieges wieder, zwischen allen Stühlen sitzen sie jetzt - zwei Jahre nach der Unabhängigkeit. Europarat und Europaparlamentarier fordern deshalb Verbesserungen für die kleine Minderheit.

          Artan Duraku verzieht keine Miene. „Ja, Sie haben recht, die Roma im Kosovo leiden unter Diskriminierung“, sagt der Kabinettschef des kosovarischen Innenministers der deutschen Besucherin. „Unter positiver Diskriminierung.“ Nirgendwo sonst in Europa würden ihnen soviele Rechte zugestanden wie in der Verfassung des jüngsten Staats des Kontinents, nirgendwo sonst hätten sie automatisch Anspruch auf einen Sitz im Parlament - unabhängig davon, ob die Angehörigen der im Kosovo auf rund 35000 geschätzten Minderheit überhaupt zur Wahl gingen.

          „Manchmal werden Roma im Rest Europas mehr diskriminiert als in unserem Land“, hält Duraku der aus Brüssel angereisten Grünen-Parlamentarierin Barbara Lochbihler entgegen. Die frühere Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International und Vorsitzende der Iran-Delegation im Europaparlament ist auf Einladung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) in das Kosovo gekommen, um auf die schwierige Situation der Roma in der einstigen serbischen Unruheprovinz aufmerksam zu machen. Die Zeiger der Uhr über den beiden Europa-Fahnen in Durakus Büro sind auf zehn vor fünf stehen geblieben an diesem Vormittag in Prishtina.

          Dir Roma zwischen allen Stühlen

          Auch in Leposavic, neunzig Autominuten nördlich von Pristina, ist die Zeit stehen geblieben. Die Schilder an den Läden hier tragen kyrillische Buchstaben, die Autos serbische, nicht kosovarische Kennzeichen. Ein verlorener Flecken Erde im Niemandsland zwischen Serbien und dem albanisch dominierten Kosovo - gelegen außerhalb des Einflusses der Regierung in Prishtina, im Stich gelassen aber auch von den serbischen Behörden im fernen Belgrad. Kein Land in Sicht für die Roma, auch nicht durch die Unabhängigkeit vor zwei Jahren: Am Ortsrand, abgeschoben in einer ausgedienten Lagerhalle der Armee, fristen sie ihr trauriges Dasein.

          „Kleinere Struktur, mehr Kraft”: Kfor-Plakat in Prishtina

          Nach der Nato-Intervention im Sommer 1999 flüchteten sie sich nach Leposavic, aus Angst vor Racheaktionen von Kosovo-Albanern - von denen viele die Roma für Verbündete der verhassten serbischen Minderheit halten. 36 Familien haben sich in der hohen Halle notdürftig zwischen Spanholzwänden eingerichtet, im Norden der zwischen Serben und Albanern geteilten Stadt Kosovska Mitrovica gibt es ähnliche elende Unterkünfte. Vor dem Eingang waschen Frauen ihre Kleider in Plastikbottichen, Kinder spielen Fangen zwischen den Schneeresten.

          Seit ein paar Monaten wohnt auch Halime Hasani in der trostlosen Unterkunft, gemeinsam mit ihren beiden Söhnen und zwei Enkelkindern. Nach sieben Jahren als geduldeter Flüchtling forderte das Regierungspräsidium Hannover sie vergangenen Herbst auf, „mit ihren Kindern freiwillig“ in das Kosovo auszureisen. Als die Polizei die Familie im Morgengrauen abholte, blieb ihr keine andere Wahl als mitzufahren zum Flughafen.

          Kindern wird die Zukunft verbaut

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor dem Start der siebzehnten Vogtland-Veteranenrallye.

          AKK und Maaßen in Sachsen : Er war schon vor ihr da

          Annegret Kramp-Karrenbauer macht im sächsischen Vogtland Wahlkampf. Auch Hans-Georg Maaßen war dort schon für die CDU unterwegs – und sorgte dafür, dass für den Bundestagsabgeordneten Heinz eine Welt zusammenbrach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.