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Vorgehen gegen Rohingya : Washington wirft Burma erstmals ethnische Säuberungen vor

  • Aktualisiert am

Rohingya fliehen Anfang Oktober 2017 über den Grenzfluss von Myanmar nach Bangladesch. Bild: AFP

600.000 Vertriebene und keine Lösung in Sicht – erst jetzt kritisiert Amerikas Außenminister deutlich die Verfolgung der muslimischen Minderheit. Zuvor war Rex Tillerson nach Burma gereist.

          Wochen nach der Flucht hunderttausender Rohingya haben die Vereinigten Staaten ihren Ton gegenüber Burma deutlich verschärft. Außenminister Rex Tillerson verurteilte die Verfolgung der muslimischen Minderheit in dem südostasiatischen Land am Mittwoch als „ethnische Säuberungen“. Den Sicherheitskräften Burmas warf er vor, „entsetzliche Gräueltaten“ zu begehen. Washington hatte die Rohingya-Krise bislang kaum kommentiert und keine direkte Kritik geäußert.

          „Nach sorgfältiger und gründlicher Untersuchung der verfügbaren Tatsachen ist es eindeutig, dass die Situation im nördlichen Bundesstaat Rakhine eine ethnische Säuberung gegen die Rohingya darstellt“, teilte Tillerson mit. Der Außenminister war vergangene Woche nach Burma gereist, um sich ein Bild von der Situation zu machen, und hatte sich mit Vertretern des Militärs sowie der De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi getroffen.

          Papst will nach Burma und Bangladesch

          Auch Papst Franziskus, der sich bereits mehrmals besorgt über die Verfolgung der Rohingya geäußert hat, wird bald in die Region reisen. In der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka werde der Papst nächste Woche Angehörige der muslimischen Minderheit treffen, sagte Vatikansprecher Greg Burke am Mittwoch. Zuvor kommt der Papst in Burma mit Suu Kyi zusammen.

          Die Friedensnobelpreisträgerin steht wegen ihrer Zurückhaltung in dem Konflikt international in der Kritik. Laut der amerikanischen Regierung kommt der 72 Jahr alten Suu-Kyi zwar eine zentrale Rolle bei der Lösung des Konfliktes zu, Washington betont jedoch die Schuld des Militärs an dem Konflikt. Außenminister Tillerson appellierte an Burma, eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe gegen die Streitkräfte zu akzeptieren.

          Zahlreiche Flüchtlinge in Lagern in Bangladesch berichteten von massenhaften Tötungen, Brandschatzung und Vergewaltigungen durch das Militär. „Diese Gewalttaten, die von manchen Angehörigen der Armee, der Polizei und lokaler militanter Gruppen verübt worden sind, haben unglaubliches Leid verursacht und hunderttausende Männer, Frauen und Kinder zur Flucht gezwungen“, erklärte Tillerson.

          Schon mehr als 600.000 Vertriebene

          Seit August sind mehr als 600.000 Rohingya aus Burma in das Nachbarland Bangladesch geflohen. Der seit Jahren andauernde Konflikt war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt.

          Menschenrechtsexperten bezeichneten die Gewalt gegen die muslimische Minderheit in Burma als „Völkermord“. Einige Staaten und die UN hatten die Vorkommnisse bereits „ethnische Säuberungen“ genannt. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International kommt die Behandlung der Rohingya in Burma seit Jahren dem institutionalisierten Rassismus des Apartheid-Systems in Südafrika gleich.

          Bangladesch und Burma haben sich prinzipiell auf den Beginn der Rückführungen der Rohingya verständigt. Allerdings fliehen noch immer täglich zahlreiche Rohingya vor Gewalt, Angst und Hunger im mehrheitlich buddhistischen Burma. Menschenrechtsgruppen halten eine schnelle und sichere Rückführung von großen Rohingya-Gruppen für höchst unwahrscheinlich.

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