https://www.faz.net/-gpf-91wwp

Bilder der Vernichtung : Verbrannte Erde im Land der Rohingya

  • Aktualisiert am

In dem Dorf Gawdu Zara in Burma steigt Rauch von einem verbrannten Haus auf. Bild: AP

Sind in Burma mindestens 80 Dörfer der muslimischen Rohingya-Minderheit niedergebrannt worden? Menschenrechtler behaupten das – und führen Satellitenbilder als Beweise an.

          2 Min.

          Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ hat berichtet, dass mehrere Dörfer der Rohingya in Burma abgebrannt worden sein sollen. Den Menschenrechtlern zufolge belegen Satellitenaufnahmen, dass etwa 80 Dörfer der muslimischen Rohingya angezündet wurden. Auch Buddhisten seien Opfer von Brandstiftungen geworden – allerdings in einem kleineren Ausmaß.

          Trotz internationaler Kritik am Vorgehen der Behörden sind Angehörige der Rohingya-Minderheit nach eigenem Bekunden weiter Opfer von Gewalt und Brandstiftungen. Allein am späten Sonntag und Montag erreichten Hunderte Flüchtlinge das Nachbarland Bangladesch in Booten. „Die Armee ist gekommen und hat unsere Häuser niedergebrannt. Sie haben unsere Leute umgebracht“, sagte der 55 Jahre alte Usman Goni. Angehörige der muslimischen Minderheit sowie Menschenrechtler werfen der Regierung des überwiegend buddhistischen Landes vor, die Rohingya vertreiben zu wollen. Burma weist dies zurück und spricht von Einsätzen gegen Aufständische. Diese hatten im August zahlreiche Posten der Sicherheitskräfte angegriffen und mehr als zehn Menschen getötet.

          Mehr als 400.000 Muslime auf der Flucht

          Die Regierung Myanmars hat Hilfsorganisationen und Reportern den Zugang zur betroffenen Region Rakhine weitgehend untersagt. In den vergangenen drei Wochen sind nach UN-Angaben mehr als 410.000 muslimische Rohingya aus Burma nach Bangladesch geflohen. Die Flucht begann am 25. August, als Burmas Militär nach Angriffen von Rohingya-Rebellen auf Polizei- und Militärposten mit Razzien im Bundesstaat Rakhine begann. Rakhine grenzt an Bangladesch. Die Rohingya werden von Burma nicht als Staatsbürger anerkannt. In dem Vielvölkerstaat ist die große Mehrheit buddhistischen Glaubens.

          Satellitenaufnahme des Dorfes Nwar Yon Taung am 25.05.2017
          Satellitenaufnahme des Dorfes Nwar Yon Taung am 16.09.2017
          Satellitenaufnahme des Dorfes Myar Zin am 23.05.2017
          Satellitenaufnahme des Dorfes Myar Zin am 16.09.2017
          Satellitenaufnahme des Dorfes Yae Twin Kyun 23.05.2017
          Satellitenaufnahme des Dorfes Yae Twin Kyun am 16.09.2017

          Burmas de-facto Regierungschefin Aung San Suu Kyi hat nach der Massenflucht erstmals Gewalt und Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land verurteilt. In einer Rede an die Nation vermied sie am Dienstag jedoch jede Kritik an den mitregierenden Militärs. Die Friedensnobelpreisträgerin versicherte: „Alle von uns wollen Frieden und keinen Krieg.“ Zugleich bat sie die internationale Gemeinschaft um mehr Geduld mit ihrem Land.

          Suu Kyi bot auch an, Flüchtlinge wieder aus dem Nachbarland Bangladesch aufzunehmen. Sie machte dies aber von einer „Überprüfung“ abhängig. Wie genau das aussehen soll, ließ sie offen. Die Rede in der Hauptstadt Naypiydaw war für die 72 Jahre alte Suu Kyi der erste öffentliche Auftritt seit Beginn der neuen Krise Ende August. Wegen ihres Verhaltens steht sie international massiv in der Kritik. Einen Auftritt bei der UN-Vollversammlung in New York hatte sie abgesagt.

          Wie die große Mehrheit der Bevölkerung ist die Nobelpreisträgerin Suu Kyi buddhistischen Glaubens. Die muslimische Minderheit der Rohingya umfasst mehr als eine Million Menschen. Sie sind staatenlos, nachdem ihnen die damalige Militärjunta 1982 die Staatsbürgerschaft entzogen hatte.

          Weitere Themen

          Das Spiel mit dem Schmuddelkind

          Xi Jinping in Burma : Das Spiel mit dem Schmuddelkind

          Lange pflegte China enge Beziehungen zu Burma. Doch mit dem Ende der Militärdiktatur entfremdeten sich die Nachbarländer. Nun will Peking die alte Nähe wiederherstellen – und stärkt dem Land im Streit um den Umgang mit den Rohingya den Rücken.

          Was bewirkt die Libyen-Konferenz? Video-Seite öffnen

          Treffen in Berlin : Was bewirkt die Libyen-Konferenz?

          Finden die Gäste von Bundeskanzlerin Merkel im Kanzleramt gemeinsam einen Weg zu einem dauerhaften Waffenstillstand und politischer Stabilität im bürgerkriegsgezeichneten Land?

          Topmeldungen

          Meghan und Harry: Künftig halb royal, halb normal?

          Aussteigerphantasien : Wir machen die Meghan!

          Ausbrechen aus einem vorgezeichneten Leben: Das Herzogspaar von Sussex zeigt, wie es geht. Andere werden ihnen folgen. Ein satirischer Blick in die nahe Zukunft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.