https://www.faz.net/-gpf-12iae

Roh Moo Hyun : Südkoreas ehemaliger Präsident Roh stürzt in den Tod

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Der unter Korruptionsverdacht geratene frühere südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun hat sich offensichtlich das Leben genommen. Der 62 Jahre alte Politiker sei am Morgen von einem Felsen in einen Abgrund gesprungen. Er habe einen Abschiedsbrief hinterlassen, sagte sein Anwalt.

          2 Min.

          Der frühere südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun hat offenbar aus Verzweiflung über seine Verwicklung in einen Korruptionsskandal Selbstmord begangen. Er starb am Samstag, nachdem er sich beim Bergwandern in der Nähe seines Landhauses von einer Klippe rund hundert Meter in die Tiefe gestürzt hatte. Sein Anwalt Moon Jae In sagte, Roh habe einen Abschiedsbrief hinterlassen. Laut einem Bericht des Fernsehsenders MBC erklärt er darin, er habe zu vielen Menschen Leid zugefügt.

          Der 62-Jährige wurde nach dem Sturz nahe dem Dorf Bongha mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus der Hafenstadt Busan eingeliefert, wo er nach Angaben von Mitarbeitern wenig später starb.

          Viele Menschen in Südkorea reagierten entsetzt auf die Nachricht von Rohs Tod. Vor Fernsehbildschirmen auf den Bahnhöfen bildeten sich große Menschentrauben. „Es heißt, hasse die Sünde und nicht den Sünder“, sagte der 63-jährige Chun Soon Im. „Und so fühle ich mich jetzt. Die Ermittlungen müssen weitergehen und wir müssen die Wahrheit erfahren, aber es tut mir auch leid um den Mann und die, die er zurücklässt.“

          Roh Moo Hyun

          Gegen Roh wurde ermittelt, weil er während seiner Amtszeit mehr als sechs Millionen Dollar (4,3 Millionen Euro) von einem Geschäftsmann angenommen haben soll. Ende April wurde er 13 Stunden lang von der Staatsanwaltschaft vernommen und wirkte deswegen tief beschämt. Roh räumte ein, dass der Unternehmer seiner Frau eine Million Dollar gegeben hatte. Weitere fünf Millionen Dollar gingen demnach an einen Verwandten. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass das Geld letztlich bei Roh landete.

          Roh hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte. Es wird auch gegen mehrere frühere Mitarbeiter und Vertraute von Roh ermittelt, weil sie Geld von dem Unternehmer angenommen haben sollen. In einem anderen Bestechungsskandal wurde Rohs älterer Bruder in der vergangenen Woche zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Justizminister Kim Kyung Han erklärte nach der Todesnachricht, die Ermittlungen gegen Roh würden nun eingestellt.

          Aufstieg aus armen Verhältnissen

          Roh, ein früherer Menschenrechtsanwalt, war von 2003 bis 2008 Präsident von Südkorea. Besonders stolz war er auf seinen Ruf, nichts mit Korruption zu tun zu haben. Er stieg aus armen Verhältnissen bis in das höchste Staatsamt auf. Roh besuchte nie eine Universität, sondern brachte sich das nötige Wissen, um die Anwaltsprüfung zu bestehen, selbst bei.

          Seine liberale Regierung verfolgte eine sogenannte Sonnenschein-Politik gegenüber Nordkorea, bei der die Annäherung gesucht und auf Kritik im Wesentlichen verzichtet wurde. 2007 reiste er zu einem Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il nach Pjöngjang.
          Rohs Nachfolger Lee Myung Bak äußerte sich am Samstag bestürzt. Der Präsident bezeichnete den Tod Rohs als „traurig und tragisch“, wie sein Sprecher Lee Dong Kwan sagte.

          Der Fernsehsender MBC berichtete, in der Abschiedsbotschaft habe Roh darum gebeten, dass seine Leiche verbrannt werde und dass ein kleiner Grabstein in seinem Heimatort errichtet werde. Roh hinterlässt seine Frau Kwon Yang Sook und zwei Kinder.

          Weitere Themen

          Buch von Trump-Nichte darf erscheinen

          Gerichtsentscheidung : Buch von Trump-Nichte darf erscheinen

          Zu viel sei schon über das Buch berichtet worden, begründet der Richter seine Entscheidung. Es jetzt stoppen zu wollen, sei falsch und wäre zwecklos. Wegen seines neuen Buchs muss derweil Donald Trumps Sohn Spott ertragen.

          Topmeldungen

          Kein Virus, nur Natur: Die Corona-Pandemie hat die Flucht der Menschen aufs Land in vielen Teilen der Welt beschleunigt.

          Flucht vor Corona : Nichts wie raus!

          Ob San Francisco, Nairobi oder Paris: Enge Großstädte sind anfällig für die Ausbreitung des Coronavirus. In der Pandemie sind viele Menschen aufs Land geflüchtet. Werden sie dort bleiben – und was heißt das für Restaraunts, Theater und Kinos?
          Während die Quarantäne für die meisten Wohnblocks in Verl inzwischen aufgehoben wurde, müssen die Anwohner eines Hauses noch hinter Bauzäunen ausharren.

          Die Leiharbeiter von Gütersloh : Der Werkvertrag als Magnet

          Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie gelten als besonders hart, nur wenige halten hier lange durch. Doch viele Arbeiter bleiben auch nach ihrer Anstellung in Deutschland – und stellen die Kommunen vor Herausforderungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.