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Philippinen : Duterte stoppt vorübergehend brutalen Anti-Drogen-Kampf

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte im Gespräch mit seinem Polizeichef Ronald dela Rosa Bild: AFP

Nach der Ermordung eines südkoreanischen Geschäftsmanns löst die philippinische Regierung die Anti-Drogen-Sondereinheiten der Polizei auf. Seine Kampagne gegen die Drogen will Präsident Duterte aber nicht beenden.

          Nach der Entführung und Ermordung eines südkoreanischen Geschäftsmanns durch philippinische Polizisten will die Regierung ihren blutigen Anti-Drogen-Krieg vorübergehend aussetzen. Polizeichef Ronald dela Rosa sagte am Montag, Präsident Rodrigo Duterte habe angeordnet, dass die Polizei zunächst ihre eigenen Reihen „säubern“ solle. In einem ersten Schritt würden deshalb die Anti-Drogen-Sondereinheiten der Polizei aufgelöst und eine Ermittlungstruppe gebildet.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Polizeichef äußerte die Hoffnung, dass die Aufräumaktion innerhalb eines Monats erledigt sei und sich die Polizei danach wieder ganz auf den „Krieg“ gegen die Drogen konzentrieren könne. Der Präsident, in dessen Kampagne gegen die Drogen schon mehr als 7000 Menschen ums Leben gekommen sein sollen, hatte die Polizei zuvor als „korrupt bis ins Herz“ bezeichnet. Trotz der vorübergehenden Aussetzung kündigte er allerdings auch an, dass die Kampagne bis zum Ende seiner Amtszeit in fünfeinhalb Jahren verlängert werden solle.

          Der südkoreanische Geschäftsmann Jee Ick-joo war im Oktober vergangenen Jahres unter dem Vorwand der Drogenfahndung von Polizisten entführt und im nationalen Polizeihauptquartier erwürgt gefunden worden. Die Beamten einer Anti-Drogen-Einheit hatten von seiner Familie trotzdem ein Lösegeld für die „Freilassung“ des Mannes gefordert. Der Fall hatte in den vergangenen Wochen für Aufsehen auf den Philippinen gesorgt. Duterte hatte sich offiziell bei Südkorea entschuldigt und sich über das Verhalten der Polizei „beschämt“ gezeigt. Er beklagte sich darüber, dass 40 Prozent der Polizisten in Korruption verwickelt seien.

          Rufe nach einem Rücktritt des Polizeichefs hatte er zwar zurückgewiesen. Mit ihrer Ankündigung gesteht die Regierung nun jedoch zum ersten Mal ein, dass der brutale Anti-Drogen-Krieg von korrupten Polizisten für eigene kriminelle Aktivitäten missbraucht wurde. Bisher hatte Duterte der Polizei stets Rückendeckung gegeben und versprochen, sie vor Strafverfolgung zu schützen. Sie hatte dadurch im Anti-Drogen-Krieg völlig freie Hand. Duterte hatte sogar Toleranz dafür signalisiert, dass sich die unterbezahlten Beamten illegale Nebenverdienste suchten, solange sie nichts mit Drogen zu tun hätten.

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