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John Boltons Nachfolger : Der Unbekannte

Robert O’Brien Bild: EPA

Donald Trump hat Robert O’Brien als Nationalen Sicherheitsberater vorgestellt: Der aus Los Angeles stammende Anwalt beriet bereits Mitt Romney im Wahlkampf und ist als konservativer Kritiker Obamas zu verorten. Ein Porträt.

          2 Min.

          Als Donald Trump seinen dritten Sicherheitsberater vorstellte, hatte jedermann sofort eine Meinung: Alle kannten John Bolton, den Falken der Bush-Cheney-Regierung. Ganz anders nun bei dessen Nachfolger: Robert O’Brien, den der Präsident am Mittwoch auf Twitter als seinen vierten Nationalen Sicherheitsberater vorstellte, hat als Anwalt, Autor und Berater zwar unter republikanischen Fachpolitikern einen Namen, stand aber nie im Rampenlicht. Für Trump dürfte das ein Argument gewesen sein, sich den bisher im Außenministerium angesiedelten Sondergesandten für Geisel-Angelegenheiten ins Weiße Haus zu holen.

          Für „ASAP Rocky“ in Stockholm

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          In seinem Tweet beteuerte der Präsident, er habe „lange und hart“ mit dem 53 Jahre alten O’Brien zusammengearbeitet, der seinen Botschaftertitel vor 16 Monaten bekam, als er das Amt im State Department übernahm. Wer sich fragt, um welche Geiselnahme es bei dieser Zusammenarbeit gegangen sein kann, landet in Schweden. Dorthin wurde O’Brien im Juli entsandt, als der amerikanische Rapper „ASAP Rocky“ dort wegen Körperverletzung festgenommen worden war. Trump hatte das zur Chefsache gemacht und die sofortige Freilassung verlangt; O’Brien drohte dem Stockholmer Gericht nach örtlichen Medienberichten mit „negativen Konsequenzen“. Der Rapper durfte Tage später ausreisen.

          Für den aus Los Angeles stammenden Anwalt, der dort eine Kanzlei gründete und meist weit weg von Washington wirkte, dürfte die Stockholm-Mission juristisch beileibe nicht die heikelste seines Lebens gewesen sein. Immerhin ist er Reservist im „Judge-Advocate General’s Corps“, einer Armeeeinheit von Juristen. Die Militärverfahren gegen Terrorverdächtige in Guantánamo hat O’Brien eine Zeitlang an Ort und Stelle beobachtet. Oft ist er nach Afghanistan gereist, wo er sich für eine Justizreform engagierte. Vorige Woche prahlte er in Israel auf einer Konferenz über Trumps „erfolgreiche Geisel-Bilanz“.

          O’Brien, Mormone wie Mitt Romney, beriet den damaligen Präsidentschaftskandidaten in den Jahren 2011 und 2012. Im nächsten Vorwahlkampf setzte er auf Wisconsins Gouverneur Scott Walker. Der galt seinerzeit als ein Favorit, gab dann aber als erster auf. So hatte O’Brien Zeit, 2016 eine Sammlung eigener Essays mit dem Titel „Während Amerika schlief“ zu publizieren – eine Anspielung auf Churchills Buch „Während England schlief“ über die 1930er Jahre. O’Brien beklagt darin eine Blindheit für Chinas Expansionismus und eine Schwächung der amerikanischen Streitkräfte, besonders der Marine. Er hakte sich bei konservativen Kritikern unter, die Präsident Barack Obama vorwarfen, in Amerika nicht immer eine Kraft des Guten zu sehen. Im einzelnen kritisierte er, dass Obama den mit Amerika verbündeten ägyptischen Machthaber Mubarak fallenlassen, die iranischen Regimegegner aber hängenlassen habe.

          Läse Trump das Buch, so gefielen ihm gewiss O’Briens Bekenntnisse zum amerikanischen Exzeptionalismus und zur Parole „Frieden durch Stärke“. Der Autor hielt aber auch fest, dass die Vereinigten Staaten am stärksten seien, wenn sie ihren Freunden verlässliche Partner sind.

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