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Robert Mugabe : Vom Befreier zum Unterdrücker

Robert Mugabe nach den erfolgreichen Unabhängigkeitsverhandlungen in London im Dezember 1979 Bild: Picture-Alliance

Er war ein Held des Befreiungskrieges. Der Gründungspräsident Zimbabwes wandelte sich im Laufe der Jahre zum altersstarrsinnigen Diktator. Jetzt ist Robert Mugabe im Alter von 95 Jahren gestorben – ein Nachruf.

          Es ist nicht zu erwarten, dass ihm in Zimbabwe viele Tränen nachgeweint werden. Denn das, was Robert Gabriel Mugabe den Menschen in dem südostafrikanischen Land hinterlassen hat, wird diese noch lange beschäftigen. Die Wirtschaft liegt darnieder, die Landeswährung hat ihre Kaufkraft weitgehend eingebüßt. Und über allem und allen thronte viele Jahre lang ein Herrscher, der – so sahen es viele – nur noch für den eigenen Geldbeutel und den seiner Frau arbeitete.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Wie so oft in solchen Fällen hatte Mugabes Geschichte ganz anders angefangen. Er galt als einer der großen Hoffnungsträger des nachkolonialen Zeitalters in Afrika. Ein Demokrat im westlichen Sinne war er nie, was er allerdings auch nicht behauptete. Schon bei seiner Amtsübernahme als Ministerpräsident Zimbabwes sagte er, eigentlich halte er ein System mit nur einer Partei für das Beste. Aber die Rechtslage sei nun einmal anders, weshalb er sich natürlich an das Gesetz halten werde. Beiden Teilen dieser programmatischen Äußerung ist er – zumindest formal – treu geblieben. Bis zum Ende seiner Präsidentschaft gab es mehrere Parteien in Zimbabwe. Aber zu bestimmen hatte allein seine „Zimbabwe African National Union“ (Zanu).

          In die Politik kam Mugabe zu Beginn der sechziger Jahre. In der damaligen britischen Kolonie Süd-Rhodesien rief er gemeinsam mit seinem späteren Rivalen Joshua Nkomo die „Zimbabwe African People’s Union“ (Zapu) ins Leben. Im Jahr 1963 sagte sich Mugabe von der Zapu los und gründete die „Zimbabwe African National Union“ (Zanu). Nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung durch die weiße Minderheitsregierung unter Ian Smith im Jahr 1965 wurde Mugabe inhaftiert. 1975 gelangte er nach Mocambique und leitete fortan den bewaffneten Kampf gegen Smith.

          Erster Ministerpräsident des neuen Staates

          Am Ziel waren Mugabe und andere im Jahr 1979. Unter Vermittlung der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien wurde das Lancaster-House-Abkommen geschlossen, das eine neue Verfassung und die international anerkannte Unabhängigkeit für das neue Zimbabwe festschrieb. Mugabes Partei Zanu gewann die ersten Parlamentswahlen, er wurde Ministerpräsident. In den Folgejahren entledigte sich Mugabe seines Rivalen Nkomo und ließ sich 1987 per Akklamation zum Staatsoberhaupt ausrufen.

          Aber auch danach ging es Zimbabwe noch vergleichsweise gut. Der Niedergang begann im Jahr 2000, als Mugabe in zunehmendem Maß den Grundbesitz weißer Farmer beschlagnahmen ließ. Die daraus resultierende Wirtschaftskrise richtete das Land zugrunde. Den Präsidenten focht das alles nicht an. Erst nach der Parlamentswahl 2008 musste er ein wenig nachgeben. Die Oppositionsbewegung „Movement for Democratic Change“ (MDC) trat in die Regierung ein. Deren Vorsitzender Morgan Tsvangirai wurde unter Mugabe Ministerpräsident.

          Dem Kampf gegen die Opposition widmete Mugabe seine letzten Jahre als Präsident. Seine Einstellung zur Macht fasste er ein weiteres Mal prägnant zusammen. Nur Gott könne ihn abberufen, meinte er. Es kam dann freilich doch anders. Die Armee, lange Zeit eine verlässliche Stütze des Präsidenten, wandte sich 2017 gegen ihn, als Pläne immer konkreter wurden, seine Frau Grace zur Nachfolgerin zu machen. Der Zorn resultierte weniger aus dem Versuch, die Macht in der Familie zu halten. Vielmehr galt gerade Grace Mugabe als besonders korrupt und verschwenderisch. Selbst wenn nur ein Teil der Dinge, die über sie und ihr Konsumverhalten erzählt wurden, stimmten, war das Maß des Erträglichen deutlich überschritten. Mugabe wurde schließlich zum Rücktritt gezwungen.

          Robert Gabriel Mugabe wurde am 21. Februar 1924 in Matibiri, einem Dorf nordwestlich von Salisbury, wie die Hauptstadt Harare damals hieß, geboren. Sein Vater Gabriel Mugabe Matibiri, ein Tischler, verließ die Familie, als Robert zehn Jahre alt war. Trotzdem konnte der Junge Jesuitenschulen besuchen, einschließlich des damals als elitär geltenden Kutama College. Er wurde zum Lehrer ausgebildet, ging für weitere Studien nach Fort Hare in Südafrika, wo er auf Kommilitonen wie Julius Nyerere, den ersten Präsidenten von Tansania, und Kenneth Kaunda, von 1964 bis 1991 erster Präsident Sambias, traf. Anschließend studierte Mugabe in Driefontein, Salisbury, Gwelo und Tansania, bevor er seine erste Anstellung als Lehrer in der ghanaischen Hauptstadt Accra erhielt. Jetzt ist Robert Mugabe in Singapur im Alter von 95 Jahren gestorben.

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