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Schlag für Frankreich : RKI stuft Grenzdépartement Moselle als Virusvariantengebiet ein

Mutanten auf dem Vormarsch: Feuerwehrleute aus Marseille untersuchen in Metz Abwasser in einem Altersheim auf Spuren von Covid-19. Bild: AFP

Rund um Metz gehen mittlerweile 60 Prozent aller Corona-Infektionen auf die südafrikanische Virus-Mutante zurück. Drohen an der Grenze zu Lothringen nun ähnliche Zustände wie an der zur Tschechischen Republik und nach Tirol?

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          Die Nachricht ereilte Frankreich am Sonntag um kurz nach 12 Uhr mittags und sie traf das Land wie ein Schlag. Das Robert-Koch-Institut stuft das Département Moselle, das an das Saarland und Rheinland-Pfalz grenzt, als Virusvariantengebiet ein.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          In dem Gebiet um die Stadt Metz gehen inzwischen 60 Prozent aller Infektionen auf die südafrikanische Virus-Mutante zurück, die ein Soldat aus dem Überseegebiet Mayotte eingeschleppt haben soll. In den französischen Radio- und Fernsehsendern wurde sofort gemutmaßt, dass Lothringen Verhältnisse wie an der deutschen Grenze zur Tschechischen Republik und nach Tirol drohten. „Ich bedauere die deutsche Entscheidung, weil sie den Grenzverkehr verlangsamt, insbesondere für die Berufspendler“, sagte der französische Europastaatssekretär Clément Beaune im Radiosender France Inter. „Wir werden alles versuchen, um den grenzüberschreitenden Berufsverkehr zu schützen“, fügte Beaune hinzu. „Wir verhandeln mit der deutschen Seite.“

          Etwa 16.000 Franzosen arbeiten täglich in Deutschland, darunter viele Beschäftige in Pflegeberufen. Der Regionalratspräsident der französischen Großregion Grand Est, Jean Rottner (Les Républicains) kritisierte eine „brutale und unilaterale Entscheidung“ Deutschlands. „Wir wollen uns nicht in einer Situation wie die Tschechische Republik und Österreich wieder finden“, sagte Rottner. Er forderte die Anerkennung der neuen Covid-19-Speicheltests, „die unsere deutschen Freunde leider nicht erlauben“, da sie das Leben der Berufspendler entscheidend erleichtern würden. Grenzgänger aus Lothringen müssen künftig von Dienstag, 2. März an, bei Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Ein Schnelltest ist dabei ausreichend. Fluggesellschaften sowie Bus- und Bahnunternehmen dürfen keine Passagiere mehr aus dem Département Moselle nach Deutschland befördern. Was das etwa für die Hochgeschwindigkeitsverbindung über den Bahnhof Metz bedeutet, war am Sonntag noch unklar.

          Hinter den Kulissen sind die Vorsitzenden der Deutsch-Französischen Parlamentarierversammlung, Christophe Arend (LREM) und Andreas Jung (CDU) seit Tagen aktiv, um eine möglichst enge Abstimmung zu gewährleisten. In einer gemeinsamen Erklärung vom Sonntag fordern sie, überall im deutsch-französischen Grenzgebiet gemeinsame Testzentren nach Vorbild des Zentrums im Eurodistriks Saar-Moselle aufzubauen. „Die Anforderungen an die Tests müssen auf beiden Seiten einheitlich sein“, verlangen sie. An diesem Montag soll der mit dem Aachener Vertrag begründete Ausschuss für grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu einer Krisensitzung zusammenkommen.

          Das Département Moselle zählt zu den insgesamt 20 Départements unter „hoher Beobachtung“. In Nizza und Dünkirchen sind bereits Ausgangssperren am Wochenende verhängt worden. Mit einem wöchentlichen Inzidenzwert von 315,2 liegt Moselle unter den Inzidenzwerten an der Cote d’Azur und in Nordfrankreich. Präsident Emmanuel Macron lehnt es bislang ab, der Bevölkerung abermals einen strikten Lockdown zuzumuten.

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