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Sérgio Moro im Gespräch : „Brasilien kann stolz sein“

Sérgio Moro ist Bundesrichter des 13. Bundesstrafgerichtes von Curitiba. Bild: AFP

Sérgio Moro ist als Richter zuständig für den größten Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens. Ein Gespräch über Schmiergeld und die Rache der Mächtigen.

          Herr Moro, Sie sind als Richter zuständig für den größten Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens. Es geht um Bestechungsgelder in Milliardenhöhe, um Wirtschaftsbosse und Spitzenpolitiker. Warum heißt der Fall „Operação Lava Jato“ – „Operation Autowaschanlage“?

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Ermittlungen haben klein angefangen. Zunächst ging es um vier Personen, die Geldwäsche betrieben. Und einer von ihnen war der Besitzer einer Tankstelle. An der gab es zwar gar keine Autowaschanlage, ansonsten ist das in Brasilien aber üblich. Und „Lava Jato“ ist ein Wortspiel, also im Sinne von: schmutziges Geld schnell waschen. Die Polizei hat den Namen ausgesucht.

          Die Ermittlungen begannen Anfang 2014 und sind längst noch nicht zu Ende. Wann haben Sie realisiert, dass es dabei um viel mehr ging als nur um Geldwäsche-Geschäfte an einer Tankstelle?

          Als Richter spreche ich Urteile. Für die Ermittlungen sind Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig. Ich denke aber, der erste Hinweis, dass das etwas Großes würde, kam auf, als die Polizei die Konten der Briefkastenfirmen von einem dieser Geldwäsche-Profis überprüfte. Darauf waren Überweisungen in Millionenhöhe eingegangen – von den wichtigsten Baukonzernen Brasiliens. Zur gleichen Zeit kam außerdem heraus, dass der Inhaber der Konten einen Luxuswagen gekauft und einem ehemaligen Direktor von Petrobras geschenkt hatte. Da blinkten alle Warnleuchten.

          Es zeigte sich, dass die Bauunternehmen überteuerte Aufträge des halbstaatlichen Ölkonzerns bekommen hatten und dafür ein bis zwei Prozent der Summen zurückzahlten. Das Bestechungsgeld ging an Mittelsmänner, an Petrobras-Manager, an Politiker und Parteien. Hat sie dieses Ausmaß erschreckt?

          Korruption wird es immer geben, in jedem Land der Welt, als vereinzelte Taten oder sich wiederholende Taten. Aber Korruption als „Spielregel“, so wie mir einige Beteiligte die Praxis rund um die Verträge mit Petrobras beschrieben haben, das ist schon außergewöhnlich. In den bislang abgeurteilten Fällen wurden Milliarden Reais an Schmiergeld gezahlt. Ein erschreckendes Ausmaß.

          Proteste gegen Sparmaßnahmen und Korruption in Rio de Janeiro

          Die Staatsanwaltschaft hat eine eigene Internetseite eingerichtet, auf der sie stets über den aktuellen Stand der Operation „Lava Jato“ informiert. Warum diese offensive Öffentlichkeitsarbeit?

          Der Fall betrifft sehr mächtige Personen, aus der politischen Sphäre ebenso wie aus der wirtschaftlichen. Deshalb ist es wichtig, alles sehr transparent zu gestalten. Erstens, um zu garantieren, dass die Justiz korrekt agiert. Und zweitens, um jegliche Behinderung der Justiz zu verhindern. Die öffentliche Meinung ist wichtig. Nicht weil der Richter gemäß der öffentlichen Meinung urteilt, das wäre unangemessen. Sondern weil die öffentliche Meinung vor der Einflussnahme mächtiger Personen schützt.

          Beteiligen Sie als Richter sich auch an dieser Öffentlichkeitsarbeit?

          Ich habe keine PR-Abteilung oder so. Die Kommunikation rund um den Fall übernehmen die Staatsanwaltschaft und die Polizei. Sie geben Pressekonferenzen und beschreiben die Operationen, die sie durchgeführt haben. Mit meiner Position als Richter würde das nicht zusammenpassen.

          Kritiker haben Ihnen den Spitznamen „rei do vazamento“ gegeben – „König der Durchstecher“.

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