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Iranische Vergeltung : Revolutionsgarden drohen mit Angriff auf Schifffahrt

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Ein britisches Marineschiff hat im Juli die Straße von Hormuz durchquert Bild: EPA

Iran werde Amerika treffen, wo immer es erreichbar sei, droht ein General der Revolutionsgarden. 35 Ziele habe man schon ausgemacht, unter anderem die Straße von Hormuz. In Bagdad nahmen derweil Tausende an einem Trauerzug teil.

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          Die iranischen Revolutionsgarden drohen den Vereinigten Staaten wegen der Tötung des einflussreichen Generals Qassem Soleimani mit Vergeltung im Nahen Osten und schließen auch Angriffe in der Straße von Hormuz nicht aus. Iran werde die Amerikaner bestrafen, wo immer sie erreichbar seien, sagte der Kommandeur der Eliteeinheit in der Provinz Kerman, General Gholamali Abuhamseh, am Samstag der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge. „Die Straße von Hormuz ist ein wichtiger Punkt für den Westen, und viele amerikanische Zerstörer und Kriegsschiffe passieren sie.“ Angriffe in der Straße von Hormuz könnten auch erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Die Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist einer der wichtigsten Schifffahrtswege weltweit. Durch die Meerenge geht etwa ein Fünftel der weltweiten Öltransporte.

          Soleimani und der Vize-Chef der Hasched-al-Schaabi-Milizen, al Muhandis, waren in der Nacht zum Freitag durch einen amerikanischen Drohnenangriff nahe des Flughafens von Bagdad getötet worden. Insgesamt kamen dabei zehn Menschen ums Leben, fünf Iraker und fünf Iraner.

          Der General der Revolutionsgarden, Abuhamseh, sagte weiter, im Nahen Osten seien seit langem wichtige amerikanische Ziele ausgemacht. 35 Stellungen in der Region und in der israelischen Stadt Tel Aviv lägen in Reichweite Irans.

          Tausende Iraker haben derweil am Samstag in der irakischen Hauptstadt Bagdad an einem Trauerzug für den iranischen General Qassem Soleimani und den irakischen Milizenführer Abu Mahdi al Muhandis teilgenommen. Sie skandierten „Tod für Amerika“ und forderten „Rache“ für die Tötung al Muhandis, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Einige Teilnehmer hielten Bilder des geistlichen Oberhaupts Irans, Ayatollah Ali Chamenei, und des libanesischen Hizbullah-Chefs Hassan Nasrallah in die Höhe.

          Die Särge der Getöteten waren mit ihren jeweiligen Nationalflaggen bedeckt und wurden auf Fahrzeugen durch die schwarz gekleidete Menge im schiitischen Bezirk Kadhimija gefahren. Im Anschluss an den Trauerzug war ein Staatsbegräbnis mit irakischen Würdenträgern in der Grünen Zone Bagdads geplant, wo viele Ministerien und Botschaften liegen.

          Die Leichen der getöteten Iraner sollen am Samstagabend in ihre Heimat geflogen werden. Dort war eine dreitägige Staatstrauer zu Ehren Soleimanis ausgerufen worden. Der langjährige Anführer der Al-Quds-Brigaden, die zu den Revolutionsgarden gehören, soll am Dienstag in seiner Heimatstadt Kerman beigesetzt werden. Präsident Hassan Rohani sprach der Familie Soleimanis bereits persönlich sein Beileid aus.

          Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo hat die Reaktion der Europäer auf die Tötung Soleimanis kritisiert. Nach Gesprächen mit Verbündeten in der Region und in Europa sagte Pompeo am Freitag im Sender Fox News: „Ehrlich gesagt, waren die Europäer nicht so hilfreich, wie ich es mir wünschen würde“. Die Briten, die Franzosen und die Deutschen müssten verstehen, „dass das, was wir, was die Amerikaner getan haben, auch Leben in Europa gerettet hat“. Die Gespräche mit den Partnern in der Region seien dagegen „alle fantastisch“ gewesen.

          Die vom Präsidenten Donald Trump angeordnete Tötung Soleimanis im Irak war von den Republikanern und Israel begrüßt worden. Staats- und Regierungschefs im Westen warnten hingegen vor einer Eskalation der Spannungen in der Golfregion. Der Angriff sei „eine gute Sache für die ganze Welt“ gewesen, fügte Pompeo hinzu. Er forderte „alle in der Welt“ auf, die Vereinigten Staaten bei ihrem Versuch zu unterstützen, Iran dazu zu bringen, „sich einfach wie eine normale Nation zu verhalten“.

          Die Führung in Teheran hatte bereits kurz nach dem tödlichen Angriff Vergeltung angekündigt.

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