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Logbuch Alan Kurdi (7) : Flüchtlinge in Sicht!

  • -Aktualisiert am

Ein Beiboot der Alan Kurdi trifft am Freitagmorgen im libyschen Meer auf ein Schlauchboot mit 65 Flüchtlingen an Bord. Bild: Sea-Eye/Fabian Heinz

Im Morgengrauen entdeckt die Crew der deutschen „Alan Kurdi“ ein übervolles Schlauchboot am Horizont. 65 Menschen kann sie sicher an Bord holen. Doch wer soll sie aufnehmen? Ein Bericht von Bord.

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          Es ist 6 Uhr morgens als auf der Steuerbordseite am Horizont plötzlich ein kleiner, schmaler Streifen zu sehen ist – kleiner, als die Fischerboote, die man normalerweise um diese Uhrzeit vom obersten Deck der „Alan Kurdi“, einem Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea Eye, aus beobachten kann. Die Wache benachrichtigt die Brücke. Der Erste Offizier ändert den Kurs auf das Objekt, und je näher die „Alan Kurdi“ kommt, desto größer ist die Gewissheit: Es handelt sich um ein Schlauchboot mit Geflüchteten.

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Um 6.15 Uhr läutet Einsatzleiter Gorden Isler die Glocke, die der noch überwiegend schlafenden Crew das Signal gibt: Es gibt einen Rettungseinsatz. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich das Schiff auf der Höhe von az-Zawiya, rund 34 Meilen von der libyschen Küste entfernt. Das Schlauchboot, dessen Motor noch manövrierfähig ist, entfernt sich derweil von der „Alan Kurdi“. Wie die Geflüchteten später berichten, sind sie davon ausgegangen, die libysche Küstenwache habe sie entdeckt.

          In mehreren Fahrten holen die Einsatzteams auf den Festrumpfschlauchbooten die 65 Menschen von dem kleinen Schlauchboot und bringen sie zur „Alan Kurdi“. Eine Frau ist darunter, sonst sind es überwiegend junge Männer. Mindestens einer ist minderjährig. Viele wirken erschöpft, sie seien am Vortag losgefahren, berichten sie. Einige seien unterwegs seekrank geworden.

          Wo die „Alan Kurdi“ hinsteuert, ist noch unklar: Um kurz nach 8 Uhr wurden die Seenotleitstellen in Tripolis, Rom, Malta und Bremen benachrichtigt. Von den meisten steht eine Antwort noch aus, das Internet fällt seit dem Vortag immer wieder aus. Die Leitstelle in Bremen hat die „Alan Kurdi“ an das Auswärtige Amt verwiesen. In der Zwischenzeit wird die Crew die Geflüchteten an Bord erstversorgen und versuchen, sich einen Überblick über Namen, Alter und Nationalitäten sowie den Gesundheitszustand der Geretteten zu verschaffen.

          Das Schlauchboot hat die Crew zerstört. An Bord hatte es elf Kanister Benzin, einen Kanister mit Wasser und kaum Proviant. Kein GPS, kein Satellitentelefon. Die Insassen waren damit orientierungslos. Das Fabrikat sei billig gewesen, erklären die Seeleute an Bord. Weit wäre es wohl nicht mehr gekommen. Doch wie geht es nun weiter?

          Jedes Besatzungsmitglied weiß, dass nun womöglich erst der harte Teil bevorsteht. Es gab zahlreiche Zitterpartien, die andere Schiffe mit Flüchtlingen an Bord in den vergangenen Monaten aushalten mussten. Zuletzt die „Sea-Watch 3“, deren Kapitänin Carola Rackete sich am Ende über das Verbot der italienischen Behörden hinwegsetzte, im Hafen der Insel Lampedusa anlegte und dann festgenommen wurde.

          Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte erst am Donnerstag die Aufnahme von Flüchtlingen abgelehnt, die ein Segelschiff einer italienischen Hilfsorganisation vor der libyschen Küste gerettet hatte. Seine Regierung werde andernfalls alles tun, um zu verhindern, dass Italien zu einem „Hafen für Schlepper“ werde, schrieb Salvini auf Twitter.

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